Medienspiegel

Man soll wählen ohne eine Wahl zu haben

Veröffentlicht

Von Hadmut Danisch

„Tief im Land der Merkel-Verdummung. [Nachtrag]

Viele Zeitungen berichten, aber fast alle schreiben nur von der Süddeutschen und der BILD ab, und BILD ist hinter einer Paywall, aber verlinkt man nur auf Süddeutsche:

Die Parteien leiden an einem Mangel an demokratischer Legitimierung, zuwenig Leute gehen noch wählen.

Die Sorge über diese Erosion hat jetzt in Berlin zu einer ganz großen Koalition geführt. Normalerweise haben sich Linke und Union nichts zu sagen – und die FDP sitzt schon lange nicht mehr im Bundestag. Umso erstaunlicher war die Runde, die am Freitagmorgen um acht Uhr im Jakob-Kaiser-Haus des Bundestags zusammenkam. In Raum 3114 trafen sich die Generalsekretäre und Bundesgeschäftsführer von CDU, CSU, SPD, Linken, Grünen und FDP, um gemeinsam nach Mitteln gegen die schrumpfende Wahlbeteiligung zu suchen.

Sie wundern sich, dass der Wähler nicht mehr wählen geht, nachdem man ihm ja gar keine Wahl mehr lässt?

Man bekommt doch heute – was auch an Merkel liegt – nur noch einen Einheitsbrei, der sich nur noch in Details und Nuancen unterscheidet.

Wo könnte man etwa sein Kreuz gegen Genderismus und Frauenquoten setzen? Wo für Steuersenkungen? Wo gegen die Verblödung der Schulen? Wo gegen die Verblödung der Universitäten? Wo gegen die Europa-diktatorische Zersetzung der Demokratie? Wo gegen Korruption?

Eben. Man hat gar keine Wahl.

Und trotzdem beschwert sich die Politik, dass man nicht wählen geht.“  –

Zum Artikel:

http://www.danisch.de/blog/2015/06/13/man-soll-wahlen-ohne-eine-wahl-zu-haben/

http://www.sueddeutsche.de/politik/kampf-gegen-niedrige-wahlbeteiligung-ganz-grosse-koalition-gegen-stimmverweigerer-1.2519370

Kommentar GB:

Ich stimme Hadmut Danisch zu. Er benennt das reale Problem völlig zutreffend. Dass die Parteileute offenbar nicht in der Lage sind, diesen hier ausgesprochenen sehr einfachen und klaren Sachverhalt auch nur zu sehen, geschweige denn zu begreifen, das spricht leider Bände. Oder sie wollen es nicht sehen und tun nur so, als ob sie etwas dagegen täten. Wobei dann den Nicht-Wählern, die mangels Wahlmöglichkeiten nicht wählen, die „Schuld“ zugeschoben wird. Das ist naheligend für schlichte Gemüter, und es wirkt psychisch entlastend. Nur ist es falsch und führt zu gar nichts.

Wir leben offensichtlich bereits in der Postdemokratie (Colin Crouch).

Die Demokratie müßte vom Souverän überhaupt erst wieder angeeignet und neu begründet werden, bevor dieses Wort wieder ohne Lügenhaftigkeit verwendet werden kann.