Medienspiegel

Kasseler Professor feindet Vertreter feministischer Theorien an

Von Bastian Ludwig

„Kassel. Der Kasseler Biologie-Professor Ulrich Kutschera hat mit harter Kritik an der Geschlechterforschung nicht nur an der Universität Kassel für einen Aufschrei gesorgt.

Kutschera hat die so genannten Gender Studies, die auch in Kassel betrieben werden, in einem Radio-Interview als sektenartige „Pseudo-Wissenschaft“ bezeichnet, die sich wie ein Krebsgeschwür an den Hochschulen ausbreite. In einem Gespräch will das Uni-Präsidium den Biologen nun zum respektvollen Umgang mit Wissenschaftlern anderer Disziplinen ermahnen.

Kutschera (60) zielt mit seiner Kritik auf die Grundlagen der Geschlechterforschung. Nach diesen sind die Rollenzuschreibungen von Mann und Frau nicht allein genetisch bestimmt, sondern werden erst im Laufe eines Lebens kulturell geprägt.

Ulrich Kutschera

Aus Sicht von Kutschera ignorierten die Geisteswissenschaftler mit ihrem Ansatz biologische Tatsachen.

In einem Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) brachte er dies kürzlich deutlich zum Ausdruck: Über alle Kulturen hinweg wollten Männer „einfach eine nette junge Frau mit der man nicht groß rumdiskutieren muss, jung, attraktiv, gut kochen muss sie können, Kinder groß ziehen“, sagte er dort wörtlich. Im HNA-Gespräch machte der Evolutionsbiologe deutlich, dass er inhaltlich zu seinen Äußerungen steht.

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Nach Ansicht des für die Gesellschaftswissenschaften zuständigen Uni-Dekans Prof. Winfried Speitkamp ist Kutschera weit über das Ziel hinaus geschossen. Es seien etliche Beschwerden über dessen Wortwahl bei ihm eingegangen, so Speitkamp. „Sein Stil ist indiskutabel und beleidigend“, so der Dekan. Wissenschaftler dürften die Arbeit ihrer Kollegen natürlich kritisch hinterfragen, aber nicht abwerten.

Hier finden Sie das Interview mit Ulrich Kutschera mit dem RBB

Hier können Sie seine vollständige Stellungnahme als pdf-Datei herunterladen

Ein Kommentar von Arne Hoffmann:

http://www.freiewelt.net/blog/genderkritischer-wissenschaftler-mit-abenteuerlichem-statement-geruegt-10063371/

Pressemitteilung: Stellungnahme Gender/HNA

27.08.2015
U. Kutschera:
„Gender-Forschung“ ist keine Wissenschaft
Am 26. August 2015 wurde ich von einem Wirtschaftswissenschaftler aus Niedersachsen darüber informiert, dass zwei Tage zuvor die Hochschulleitung der Universität Kassel auf eine mir unbekannte Beschwerde des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) reagiert hat. Diese hinterhältige Vorgehensweise, sich an die Uni-Leitung zu wenden ohne mich vorher anzusprechen, ist ärgerlich. Die Studierenden warfen mir in ihrem undatierten Brief vor, ich hätte in einem Interview (rbb, 11.07.2015) die „Gender-Forschung“ diffamiert und „beleidigende Aussagen über Kolleg*innen“ verbreitet. Weiterhin wird mir vorgeworfen, ich hätte die Sozial- und Geisteswissenschaften nicht den Realwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie, Geologie) gleichgestellt und diese in abwertenden Worten gekennzeichnet.
Im Antwortschreiben der Hochschulleitung, das mir ebenfalls von dritter Seite verspätet zugesandt worden ist, verweist das Präsidium auf ihren Entwicklungsplan, in dem die Gleichberechtigung und eine Förderung qualifizierter Frauen festgeschrieben ist. Zu diesen Punkten
möchte ich mich wie folgt äußern:
1. Ein Berliner Journalist (Ingo Kahle) hat mich im rbb zu einer naturwissenschaftlichen Stellungnahme bzgl. der „Gender-Studies“ befragt und hierbei die ihm vorliegende 4. Auflage meines UTB-Lehrbuchs Evolutionsbiologie 2015 zugrunde gelegt. Ich habe somit mit Bezug zu diesem Lehrwerk argumentiert. Gemäß der „Gender-Theorie“ kommen Menschen als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen auf die Welt und werden danach gesellschaftlich in eine männliche bzw. weibliche Richtung geprägt. Man benötigt kein biologisches Spezialwissen, um die Unsinnigkeit dieses geisteswissenschaftlichen Fundamental-Dogmas durchschauen zu können. Da ich von Herrn Kahle 30 Minuten lang mit derart widersinnigen Thesen (z. B. auch zur angeblich frei wählbaren homoerotischen Veranlagung) konfrontiert worden bin, habe ich, als forschender Biologe mit ca. 10 Buchveröffentlichungen und über 250 Fachpublikationen, so reagiert. Diese Fragen waren offensichtlich als Provokation eingebracht worden.
2. Als international ausgewiesener Biowissenschaftler argumentiere ich ausschließlich auf Grundlage der aktuellen Fachliteratur: Private Meinungsäußerungen kommen in derartigen wissenschaftlichen Stellungnahmen nicht vor. Wie den Lehrenden und Studierenden bekannt ist,
sind heute im Rahmen des Open-Access-Systems viele referierte Fachjournale, wie z. B. PLoS One oder Evolutionary Psychology, frei verfügbar (die Autoren zahlen horrende Page charges, um ihre Leser weltweit kostenfrei informieren zu können). Daher kann sich jeder Interessierte über all jene Punkte informieren, die ich im rbb-Interview, über das Lehrbuchswissen hinaus, geäußert habe –man benötigt nur einen Computer bzw. ein Handy sowie die entsprechenden Suchworte in englischer Sprache und findet sofort alle Fakten.
3. Als ausgewiesener Frauenförderer und Befürworter der Gleichberechtigung qualifizierter Forscherinnen (belegt durch eine Urkunde des Präsidenten der Uni Frankfurt) muss ich Anschuldigungen bzgl. einer angeblichen „Anti-Gleichheits-Politik“ zurückweisen. Ich habe im
Interview lediglich biologische Fakten dargelegt und die Geschlechteridentität hormonell-chromosomal begründet. Weiterhin habe ich darauf hingewiesen, dass kulturell-gesellschaftliche Faktoren zu berücksichtigen sind und dargelegt, dass jegliche Form von Diskriminierung biologisch
nicht zu rechtfertigen ist.
4. Ich stimme mit meinen Kritikern überein, dass es ungeschickt ist, sich zuerst auf Interviews einzulassen, und erst im zweiten Schritt die Faktenlage in Buchform darzulegen. Sämtliche Aussagen im rbb-Interview kann ich durch solide Quellenangaben (UTB-Lehrbuch plus
Fachbeiträge, z. B. in PLoS One oder Evolutionary Psychology) belegen. Es war von mir nicht korrekt, im humanistischen Pressedienst Anfang dieses Jahres die „Gender-Forschung“ als „Universitäre Pseudowissenschaft“ zu bezeichnen und erst 2016 mit einem Kompakt-Fachbuch die
Argumente, Punkt für Punkt ausformuliert und mit Quellen belegt, nachzureichen. Inzwischen habe ich die relevante sozialwissenschaftliche Gender-Literatur durchgearbeitet (bis zur Urquelle „John Money et al. 1955“) und bin entsetzt und verärgert über das, was dort geschrieben steht. Dies ist ein Frontalangriff gegen rational-naturwissenschaftliches Denken, die Biomedizin als Ganzes sowieunsere naturalistische Wissenschaftstheorie. Nur durch eine umfangreiche Darlegung aller Behauptungen sowie deren Widerlegung kann dieser akademische Wildwuchs, den ich mit dem Kreationismus auf eine Stufe stelle, verbal in die Schranken gewiesen werden.“    –
GB: Im Deutschlandfunk ist es heute zu einer völlig entgleisten Darstellung gekommen:

Uni KasselProfessor nennt Genderforschung unwissenschaftlich

Aufregung an der Uni Kassel: Biologieprofessor Ulrich Kutschera erklärte in einem TV-Interview die Genderforschung für unwissenschaftlich und eine schlechtere Besoldung von Professorinnen und Professoren in diesem Bereich für gerechtfertigt. Die Uni Kassel äußerte sich jetzt öffentlich zu dem Fall – ein ungewöhnlicher Vorgang.

Von Ludger Fittkau

Ulrich Kutschera macht sich gerade keine Freunde an seiner Hochschule, der Uni Kassel. Das liegt daran, dass der Biologieprofessor sehr umstrittene Ansichten über das Verhältnis von Frauen und Männern im Allgemeinen, sowie von akademisch gebildeten Frauen und Männern im Speziellen vertritt. Insbesondere die Gender-Studies sind für Kutschera ein rotes Tuch.

In einem Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) erklärt er die Geschlechterforschung kurzerhand für unwissenschaftlich. Deswegen hält Kutschera es auch für gerechtfertigt, dass Professorinnen und Professoren in diesem Bereich weniger verdienen als er selbst:

Porträt Ulrich Kutschera, grauhaariger Mann, lächelt in die Kamera (dpa/picture alliance/Horst Galuschka)Der Kasseler Biologe Ulrich Kutschera. (dpa/picture alliance/Horst Galuschka)„Ich bin Inhaber eines Lehrstuhls – C4-Professor – heutzutage gibt es nur noch W2- oder W3-Stellen. Die meisten Gender-Professuren sind Gott sei Dank nur nach W2 besoldet. Das ist ein besseres Lehrergehalt. Es ist ein kleiner Trost. Es ist aber jetzt leider so, dass diese Gender-Mainstreaming-Ideologie, also eine quasi-religiöse Weltanschauung, (…) das ist alles lokalisiert in den sogenannten Sozial- und Geisteswissenschaften.“

„Die hoch qualifizierten Möchte-Gern-Alpha-Weibchen sterben alle kinderlos“

Zahlreiche Studierende und Beschäftigte der Universität Kassel haben sich nach diesen öffentlichen Äußerungen bei Dr. Sylke Ernst beschwert, der Frauenbeauftragten der Kasseler Uni. Kutscheras Äußerungen würden von vielen als „diffamierend“ empfunden, so Sylke Ernst. „Weite Teile der Universität“ kritisierten sie und distanzierten sich davon. Dass Geschlechterforschung und auch Sozial- und Geisteswissenschaften pauschal als „nicht-wissenschaftlich“ abgewertet würden, spiegelt nach Auffassung der Kasseler Frauenbeauftragten auch gewisse allgemeinpolitische Tendenzen:

„Diesen Vorwurf der Nicht-Wissenschaftlichkeit und die fehlende Differenzierung verwenden die Gegner von Gleichstellungspolitik und Geschlechterforschung nicht aus einem Interesse an Objektivität der Wissenschaft, sondern aus einem politischen Interesse am Erhalt konservativer Geschlechterverhältnisse heraus.“

Nicht nur über die Geschlechterforschung an sich, sondern auch über das konkrete Heiratsverhalten seiner Kolleginnen an der Uni hatte sich der Pflanzen-Experte Ulrich Kutschera im Rundfunk Berlin-Brandenburg mokiert:

„Hoch qualifizierte Frauen sind nicht bereit dazu, jetzt einen unterprivilegierten Mann zu heiraten. Sie sind sogar oft genug dazu bereit, den Mann als Vater ihrer potenziellen Kinder zu akzeptieren, der wegen der Quote rausgefallen ist. Das heißt. Frauen suchen immer Männer, die gleich oder höher qualifiziert sind. Nur das Problem ist, wenn jetzt eben die höher dotierten Stellen von Quotenfrauen belegt sind, dann fehlen diese noch höher qualifizierten Männer. Das heißt, die hoch qualifizierten Möchte-Gern-Alpha-Weibchen sterben alle kinderlos ein.“

Deutliche öffentliche Rüge

Die Kasseler Uni-Leitung ist über öffentlich geäußerte Thesen dieser Art irritiert. Man suche gerade einen Termin für ein Gespräch mit Ulrich Kutschera, teilte heute eine Uni-Sprecherin auf Anfrage mit. In einer schriftlichen Stellungnahme der Uni heißt es, man habe sich verpflichtet, eine Organisationskultur zu pflegen, „die von gegenseitiger Anerkennung und Teilhabe aller Mitglieder der Hochschule“ geprägt ist:

„Die Universitätsleitung wird mit Herrn Kutschera das Gespräch suchen, um ihn an diese Grundsätze zu erinnern. Den Lehrenden der Universität steht es grundsätzlich frei, sich an der öffentlichen Debatte zu beteiligen. Dieses Recht akzeptiert die Universität Kassel selbstverständlich. Die Hochschulleitung ist zugleich der Auffassung, dass diese Debatte in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts stattfinden soll, auch des Respekts gegenüber anderen wissenschaftlichen Disziplinen.“

Das ist eine deutliche öffentliche Rüge des Kasseler Uni-Präsidiums für Ulrich Kutschera. Ob dieser sich in Sachen „Gender-Forschung“ künftig öffentlich zurückhaltender äußern wird, bleibt abzuwarten. Kutschera ist 60 Jahre alt.

Er kann davon ausgehen, in den nächsten Jahren an der Uni Kassel unter verschärfter Beobachtung zu stehen.

(Hervorhebungen: GB)

Kommentar GB:

„Er kann davon ausgehen, in den nächsten Jahren an der Uni Kassel unter verschärfter Beobachtung zu stehen.“

Das hier ist nicht weniger als eine Ungeheuerlichkeit, eine Frecheit und eine unglaubliche Dreistigkeit, Herr Dr. Fittkau.

So geht das nicht. Sie haben mit Ihrem Beitrag eine weitere Begründung dafür geliefert, weshalb die Gender Studies eingestellt und abgewickelt werden müssen, je schneller, desto besser:

http://cuncti.net/geschlechterdebatte/852-deutung-statt-erklaerung