Medienspiegel

Zur Diskussion um «Gender» und «Genderismus»

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„Seit längerem schon ist der Begriff «Gender» in Gebrauch, der das sozial geprägte vom biologisch geprägten Geschlecht unterscheidet. Nun hat ein Kirchenmann vermutet, dahinter verberge sich eine unwissenschaftliche Ideologie. Worum geht es?“

von Katrin Meyer

PD Dr. Katrin Meyer ist Lehrbeauftragte für Philosophie an der Universität Basel und Koordinatorin des Netzwerkes Gender-Studies Schweiz.

„(…) Interessant dabei ist, dass sowohl in Huonders Schreiben wie auch in anderen konservativen Familieninitiativen in der Schweiz die Kritik zentral auf den Begriff Gender zielt. In diesem Begriff scheint bereits angelegt, was nach Ansicht des Bischofs und seiner Mitstreitenden die christliche Ordnung ins Wanken bringt. Weil Gender eine soziale Geschlechtsidentität bezeichnet, die durch kulturelle Normen und gesellschaftliche Strukturen bedingt ist, werden Geschlechterverhältnisse als historische Praktiken erkennbar – und damit prinzipiell veränderbar. Das Gender-Konzept eröffnet einer Gesellschaft somit einen geschlechterpolitischen Handlungsspielraum, es macht Geschlechterverhältnisse anders denkbar und transformiert die angeblich gottgegebene Geschlechterordnung in Kultur und die vermeintlich unabänderliche Geschlechternatur in Politik.“

„Vielleicht hielte sich der Furor, der dem Begriff Gender von konservativer Seite entgegenschlägt, noch in Grenzen, hätte sich das Konzept in den 1990er Jahren nicht radikalisiert und auch noch die letzten Gewissheiten über das biologische Geschlecht und die natürlichen Formen des sexuellen Begehrens in Zweifel gezogen. Das 1990 von der amerikanischen Philosophin Judith Butler vorgelegte Buch «Gender Trouble» liefert eine fulminante Dekonstruktion der Unterscheidung von Sex und Gender, die nicht nur in der Geschlechterforschung für einigen Aufruhr sorgte und bis heute umstritten bleibt. Nach Butler ist die Unterscheidung von Sex und Gender darum unhaltbar, weil es sogenannte objektive biologische Definitionsmerkmale der Geschlechter erkenntnistheoretisch nicht geben könne. Damit verliert die Dichotomie von Frau und Mann nach Butler ihr eindeutiges biologisches Fundament, und es wird zumindest denkmöglich, dass es mehr als zwei Geschlechter geben könne. Viele Wertkonservative sehen in diesem dekonstruktivistischen Konzept der «Queer»-Theoretikerin aus Berkeley die Ursache für den Zerfall der Werte des Abendlandes. Das mutet weltfremd an. Naiv erscheint es, die Auflösung der traditionellen Ehe und Familie auf das Gender-Konzept zurückzuführen, so, als hätten sich die sozialen, medizinisch-technischen, ökonomischen, kulturellen und rechtlichen Transformationsprozesse der letzten Jahrzehnte nach Begriffsreflexionen gerichtet – und als seien nicht diese umgekehrt selber Teil gesellschaftlicher Umwälzungen, die neue Fragen an die Wissenschaft herangetragen haben.“

Zum Artikel:

http://www.nzz.ch/feuilleton/wider-natur-und-schoepfungsordnung-1.18206521

Kommentar GB:

Eine Frauen- und Geschlechterforschung, die nicht auf den biologischen Grundlagen und Fundamenten aufbaut, ist von vornherein fehlgeleitet. Das Verständnis der soziokulturellen Beziehungen zwischen den beiden Geschlechtern, die selbstverständlich historisch wandelbar sind, wird von der Soziologie und der Historiogaphie geklärt. Weitere Geschlechter gibt es biologisch nicht.

Dass es immer schon vielfältige erotische Verhaltensweisen gegeben hat, das ändert daran nichts. In den Schriften des Marquis de Sade (18. Jahrhundert) findet sich einiges dazu. Wer weiß, vielleicht tauchen sie demnächst in Schulbüchern auf? Ich empfehle diese den Schwärmern der Vielfalt („diversity“) zur gelegentlichen Lektüre.

Der Gender-Begriff ist lediglich ein Versuch, in sozial akzeptabler und zugleich überhöhender und geschwollener Sprachform (siehe oben) öffentlich über das zu reden, was umgangssprachlich Homosexualität heißt, und zwar zu dem Zweck, diese gesellschaftlich zu normalisieren, nämlich als „Vielfalt“ (diversity).

Es geht also um nichts weiter, als um sehr spezielle Interessen eine kleinen Minorität.

Gender ist ein Gespenst, das in lesbischen Hirnen haust.