Medienspiegel

Die »neue« Jungen- und Männerpolitik

Veröffentlicht

von Dr. Bruno Köhler:

„2009 kündigte die neue schwarz-gelbe Koalition die Einführung einer eigenständigen Jungen- und Männerpolitik und einen Dialog zu dem Thema an. Der ursprüngliche hoffnungsvolle Entwurf im Koalitionsvertrag lautete:

»Wir wollen eine eigenständige Jungen- und Männerpolitik entwickeln und dabei insbesondere die Bildungs- und Entwicklungschancen von Jungen und Männern verbessern, ihre Lebensentwürfe erweitern und neue Perspektiven eröffnen« (Meiritz 2009).

Im offiziellen Koalitionsvertrag hieß es dann allerdings nur noch:

»Wir wollen eine eigenständige Jungen- und Männerpolitik entwickeln und bereits bestehende Projekte für Jungen und junge Männer fortführen und intensivieren. Damit eröffnen wir ihnen auch in erzieherischen und pflegerischen Berufen erweiterte Perspektiven« (Bundesregierung 2009, S.74/132).

Die konkrete Forderung nach einer Bildungsförderung von Jungen ist weggefallen. Die neuen Perspektiven für Jungen und Männer wurden auf einige gering bezahlte Berufsbereiche zusammengestrichen. Gut honorierte männerunterrepräsentierte Berufe, wie Arzt oder Veterinärmediziner, werden nicht genannt. Im weiten sozialen Berufsfeld soll lediglich der pflegerische Bereich geöffnet werden. Pädagogische Berufe bleiben gänzlich unerwähnt. Auf Grund dieser Einschränkung sehen Kritiker in den ›Boys-Days‹ lediglich ein Abschieben von Jungen in den Billiglohnbereich. (Hervorhebung: GB)

Neu ist die Bündelung der Aktivitäten in einem neuen Referat 408 »Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer« im Frauenministerium (!). Eine Weiterentwicklung des Frauenministeriums in ein Gleichstellungsministerium, das die Belange beider Geschlechter betrachtet, wäre konsequent und mutig, blieb jedoch aus. Die angekündigte Jungen- und Männerpolitik wurde somit auf eine Frauenpolitik mit Jungen und Männern reduziert. So wird lediglich auf Bestehendes aufgestockt und Altes fortgeführt. Alter Wein in neuen Schläuchen.“ Hier geht´s zum ganzen Artikel:

Jungen und Geschlechterpolitik