Medienspiegel

Quote und „Bonzenherrschaft“

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„Dass der Staatsfeminismus in den Parteien sicht nicht wirklich gegen eine Quote ausspricht, ist kaum überraschend. Und dass es für ihre politische Durchsetzbarkeit letztlich auf die Haltung der CDU ankommt, ist von Frau Sorge korrekt beobachtet.

Über den Sinn und Nutzen einer Quote ist damit freilich nichts ausgesagt. Dass sich die Quotenlobby mit der Suggestion die Eier schaukelt, man würde „die Gesellschaft ein Stück weiter in die Moderne tragen“, ist zwar ideologisch folgerichtig. Aber „langfristig“ wird sich die gesellschaftliche Diskussion zur Quote weiterentwickeln. Die Parteien sind bei diesem Thema nämlich ebenso weit von den gesellschaftlichen Realitäten und kulturellen Diskursen entfernt wie bei anderen Themen.

Der Quotendiskurs wurde ebenso als „Revolution von oben“ in die politische Willensbildung eingeführt wie der Euro, die Bankenrettung und andere, sagen wir zurückhaltend: „problematische“ Entscheidungen. Dass kritische Argumente aus der Mitte der Gesellschaft dabei nicht gehört werden, ist ein Symptom der postdemokratischen Konstellation unserer Gegenwart.

Dass das Thema „Quote“ Teil dieser Postdemokratie geworden ist, indiziert vor allem, was aus der Frauenbewegung geworden ist: eine Bewegung, die nach ihrem erfolgreichen „Marsch durch die Institutionen“ ein Teil des politischen Establishments geworden ist und nun über die Macht verfügt, anhand von ideologischen Feindbildern konstruierte Standpunkte ohne Rücksicht auf Vernunft und kritischen Diskurs mit administrativen Mitteln durchzusetzen.

Das ist konsequent, weil alle großen Emanzipationsbewegungen der Moderne, die bürgerliche und die der Arbeiter, zuvor denselben Weg gegangen sind. Sie alle, die Frauenbewegung eingeschlossen, verfallen damit auch auf dialektische Weise demselben Verdikt, das einst Ernst Bloch mit Bezug auf das Bürgertum auf einen schönen Aphorismus gebracht hat: „Aus dem Citoyen kam der Bourgeois, aber der Bourgeois wird durch den Citoyen gerichtet.“

Heute ist die Frauenbewegung an jenem Punkt angelangt, an dem sich ihre emanzipatorische Kraft zur Erneuerung der Gesellschaft erschöpft hat. Sie hat jenen Punkt erreicht, der in bezug auf die Arbeiterbewegung als „Bonzenherrschaft“ bezeichnet worden ist. Die Frauenquote ist insofern kein Ausdruck einer gesellschaftlicher Modernisierung mehr, sondern die Exekution einer ideologisch erstarrten Programmatik mit bürokratischen Mitteln.

Und das gesellschaftliche Bewusstsein über diesen Zustand der Frauenbewegung wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen, sodass über die Chancen einer Quote im Jahre 2020 noch lange nicht entschieden ist.“

von: djadmoros19.04.2013 | 14:48 Uhr / Hervorhebungen: GB