Medienspiegel

Ende der Schonfrist

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Von Johann Osel und Roland Preuß  –  Auszüge:

„Den Sprung von der kleinen auf die ganz große Bühne hat Johanna Wanka in einem grauen, ärmellosen Abendkleid vollzogen, mit blauen Gummihandschuhen, nebst rauchenden Reagenzgläsern. In der Montur ließ sich die Bundesbildungsministerin, einige Monate nach ihrem Amtsantritt, von einer großen Boulevardzeitung ablichten – und zu ihren Plänen befragen. Ein Podium, wie es Bildungspolitiker selten bekommen. Das Amt stand noch stark im Fokus der Öffentlichkeit durch den Rücktritt ihrer Vorgängerin Annette Schavan im Frühjahr 2012.“

„Dass sie ins Amt gelangte, war den Umständen geschuldet, sie war quasi Zufallsministerin. Die gebürtige Sächsin war gerade frei, als Schavan über ihre Doktorarbeit stürzte. Die Wähler hatten Wankas schwarz-gelbe Koalition in Hannover abgewählt. Sie verstand die Materie bestens, eine sichere Wahl für Kanzlerin Merkel. Wankas Verbleib im Amt hat zuletzt wenig Beachtung gefunden, die neuen Ressortkollegen sind wohl spannender.

Und doch könnte die 62-Jährige jetzt erst richtig loslegen, kann das angehen, was in der auslaufenden Wahlperiode 2013 nicht anzupacken war. Sie muss es. Zwei hohe Erwartungen hat sie selbst durch Äußerungen geweckt. Eine Verfassungsänderung, damit der Bund Bildung, vor allem an den Hochschulen, direkt finanzieren kann, ist unbestritten nötig. Und eine Bafög-Reform, die Modernisierung des mehr als 40 Jahre alten Förderinstruments, hat Wanka selbst versprochen.

Der schwierigste Brocken dürfte die Reform des Grundgesetzes sein, das nach wie vor eine Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Bildungsbereich weitgehend verbietet. Viele Fachleute halten dies für blühenden Unsinn, bisher haben sich aber Bund und Länder, Rot und Schwarz nicht auf eine Reform verständigen können, auch nicht in den Koalitionsverhandlungen. Ohne eine Einigung freilich wird vieles nicht möglich sein, ein rascher Ausbau der Ganztagsschulen oder deutlich mehr Investitionen für Forschung und Lehre an Hochschulen. Welche Koalition ist da besser für einen Kompromiss geeignet als eine große?“  –  Weiterlesen:

http://www.sueddeutsche.de/bildung/bildungsministerin-johanna-wanka-ende-der-schonfrist-1.1852956