Medienspiegel

Irrungen und Wirrungen um Ursula von der Leyen

Von Jens Berger  –  Auszüge:

„Die Benennung Ursula von der Leyens zur künftigen Verteidigungsministerin ist in der Tat eine politische Überraschung. Wenig überraschend ist indes die Reaktion der Medien auf diese Personalie. Schenkt man den Leitartiklern der Republik Glauben, so ist Angela Merkel ein echter Coup gelungen, mit dem sie die umtriebige Niedersächsin von der Leyen zu ihrer Thronfolgerin gekürt hat. Quer durch nahezu alle Kommentare ziehen sich dabei zwei grandiose Denkfehler: Zum einen soll das Verteidigungsministerium angeblich ein echtes Sprungbrett für politische Karrieren sein und zum anderen wird von der Leyen wie eh und je als „Powerfrau“ dargestellt, die dank ihrer „überwältigenden“ Fähigkeiten für jede Aufgabe geeignet ist. Dabei sollten die Kollegen es doch eigentlich besser wissen. Die Benennung von der Leyens zur Verteidigungsministerin mag ein Coup gewesen sein – aber in einer ganz anderen Art und Weise als es den Medien vorschwebt.“

„Bemerkenswert ist auch, dass die Personalie von der Leyen durch die Bank weg als Sieg der Gleichstellung gefeiert wird – gerade so, als sei es erstrebenswert, dass künftig eine Frau Soldaten und Soldatinnen befiehlt, zu töten und getötet zu werden. Ist es denn wirklich modern, wenn heute das Geschlecht eines der wichtigsten Kriterien bei der Besetzung hoher politischer Ämter ist? So etwas kann man auch als positive Diskriminierung bezeichnen. Man kann dies für modern halten. Man kann jedoch auch die Position vertreten, dass es anachronistisch anmutet, wenn das Geschlecht ein wichtiges Auswahlkriterium ist. Früher war es das männliche Geschlecht, heute ist es das weibliche Geschlecht, das karrierefördernd ist. Wirklich modern ist erst die Gesellschaft, in der Chromosomen bei der Karrierefrage keine Rolle mehr spielen.

Wer die Personalie von der Leyen auf die Geschlechterfrage reduziert, begeht jedoch einen entscheidenden Fehler, der vom Grundsätzlichen ablenkt. Die Personalie von der Leyen ist keine „Geschlechterfrage“, sondern vielmehr eine „Klassenfrage“. Ohne ihre Herkunft aus der Oberschicht wäre Frau von der Leyen heute mit Sicherheit keine Ministerin. Und ob ein Mann oder eine Frau als Vertreter der Oberschicht Männer und Frauen der unteren Schichten für die Interessen der Oberschicht in den Tod schickt, sollte eigentlich Grundlage einer weiterführenden Diskussion sein.“

(Hervorhebungen: GB)  –  Weiterlesen:

Der Kuss der Patin – Irrungen und Wirrungen um Ursula von der Leyen

und ergänzend:

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/verteidigungsministerin-von-der-leyen-das-militaer-taugt-nicht-zur-gleichstellungspolitik/9230764.html

http://www.theeuropean.de/alexander-wallasch/7744-ursula-von-der-leyen-neue-verteidigungsministerin