Medienspiegel

Hat Wissenschaft Methode?

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Von Markus Pössel  – Auszug:

„Ich habe an dem, was Paul Feyerabend geschrieben hat, eine Menge auszusetzen, aber zumindest diejenigen Aussagen in „Wider den Methodenzwang“, die man als Kritik an dieser Art von naivem Wissenschaftsverständnis lesen kann (Feyerabend geht anschließend noch deutlich weiter), kann ich voll und ganz unterschreiben. Teile der wissenschaftlichen Praxis können ganz und gar irrational sein. Wie ein Wissenschaftler auf seine Ideen kommt, ist vollkommen schnuppe. Ob einem eine neue Theorie im Traume kommt, ob man sich durch welche Religion auch immer inspirieren lässt, eine bestimmte Hypothese zu formulieren, ist ganz egal. Und die Wissenschaftler müssen auch keinem starren Schema folgen, schon gar nicht dem hier genannten. Ich kann einfach so experimentieren, einfach um zu sehen, was passiert. Ich muss mein Ergebnis nicht veröffentlichen, sondern kann erst einmal selbst weiterforschen.  Das Literaturstudium wird typischerweise nebenher laufen und nicht mehr Teil einer Vorgehenskette sein. Und so weiter.

All diese völlige Methodenfreiheit geht in dem strengen Korsett verloren. Was herauskommt, ist ein gänzlich falsches Bild davon, wie Wissenschaft funktioniert. Dass in der Wissenschaft trotz der Freiheiten bei weitem nicht „alles geht“ (Anything goes – Feyerabend nochmal), liegt an dem nicht recht in ein Flussdiagramm pressbaren Satz an Verhaltensregeln der Wissenschaftler, die noch am ehesten die Bezeichnung „wissenschaftliche Methodik“ verdienen, aber alles andere als ein starres Schema mit Schritt-für-Schritt-Rezept sind.

Diese Verhaltensregeln sind im Grunde genommen recht einfach – und jeder vernünftige Mensch, der sich vor die Aufgabe gestellt sieht, Regeln zu formulieren, wie man möglichst viel allgemein teilbares, kommunizierbares, akzeptierbares und verlässliches Wissen finden und verbreiten kann, würde wahrscheinlich ganz ähnliche Regeln formulieren.“

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