Medienspiegel

Protestwähler?

Von Michael Klein

„Neue Parteien wie die AfD oder Anfang der 1980er Jahre die Grünen sind für etablierte Parteien eine massive Bedrohung, nicht nur, weil die etablierten Parteien den Kuchen der Wahlkampfkostenerstattung mit einer neuen Partei teilen müssen, auch, weil die neue Partei vermutlich dauerhaft am politischen Markt mitmischen will, am Ende Anspruch auf Regierungs- und somit Machtbeteiligung erheben kann, was immer mit einem Machtverlust etablierter Parteien einhergeht.

AfdUnd wer ist schuld daran, dass das Macht- und Parteiengefüge, der politische Sumpf, an den sich die etablierten Parteien so sehr gewöhnt haben, derzeit von einer Partei, die sich Alternative für Deutschland nennt, durchgeschüttelt wird? Protestwähler!

Protestwähler sind die Schmuddelkinder des deutschen Versuches, eine demokratische politische Ordnung herzustellen, und zwar deshalb, weil sie falsch wählen, einfach von etablierten Parteien abwandern und ihre Stimme einer Partei geben, die ein anständiger Wähler nicht wählt. Zwar ist die Abgabe einer Stimme bei Wahlen, frei und geheim, das heißt aber nicht, dass man seine Stimme einfach so außerhalb des etablierten Spektrums der Parteien abgegeben kann, die sich auf Kosten von Steuerzahlern ein Oligopol aufgebaut haben.“

http://sciencefiles.org/2014/09/15/protestwahler-die-schmuddelkinder-des-deutschen-demokratischen-versuches/

Kommentar GB: Was uns in den Medien geboten wird, das ist großenteils völlig unreflektiertes Schlagwort-Geschwätz. Das ist einfach miserabel schlechter Journalismus. Man  benutzt ein Schlagwort, z. B. Protestwähler, und suggiert damit allen und sich selbst, man habe damit etwas gesagt, was inhaltlich bestimmbar wäre. Dem ist aber nicht so. Die Möglichkeit, dass Protestwähler womöglich sehr genau wissen, dass warum und wogegen oder wofür sie votieren wollen, das wird gar nicht erst in Betracht gezogen. Auch dass Nichtwähler möglicherweise aus sehr triftigen Gründen nicht wählen, wird nicht in Erwägung gezogen. Es wird eine Erkenntnis und Gewißheit über die Motive, Gründe und Interessen der Wähler fingiert, die vollkommen illusorisch ist. Ich frage mich, wieso nicht wenigstens einige Journalisten bemerken, welche Unsinn sie da immer wieder von sich geben.