Medienspiegel

Gender – Ideologie

„Carol Hagemann-White: Wir werden nicht zweigeschlechtlich geboren…

1.) deutsche Diskussion: Festhalten an der Zweigeschlechtlichkeit
Hagemann-White konstatiert, dass sowohl der Gleichheits- als auch der Differenzfeminismus in Deutschland von der „Idee, dass wir es mit einem elementaren Gegensatz von zwei grundverschieden gearteten Wesen zu tun haben“ (2) geprägt sei. Die Annahme einer biologisch gegebenen Zweigeschlechtlichkeit werde nicht angetastet, vielmehr diene sie als „Krücke der Identität“ (2). In ihrem Bestreben um Autonomie habe sich die Frauenbewegung auf die Verschiedenheit von Frauen und Männern berufen, um politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Jedoch verstellt ein Festhalten an der Vorstellung unaufhebbarer Geschlechtsunterschiede eine emanzipatorische Perspektive, die „gerade zeigen will, wie sehr das Geschlecht eine soziale Kategorie, die Sozialcharaktere historisch relativ und gesellschaftlich produziert seien“ (3).
So kam es, dass Ergebnisse der US-amerikanischen Theoriediskussion nicht angemessen rezipiert wurden und gerade ihr Potential, Biologismen zu überwinden, nicht wahrgenommen wurde.

2.) US-amerikanische Diskussion: Zweigeschlechtlichkeit ist sozial konstruiert
Hagemann-White weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung des „doing-gender“ Ansatzes hin: Geschlecht (gender) wird prozeß- und situationsbezogen gedacht, die Bildung einer Geschlechtsidentität als „aktiver Prozeß der Aneignung in Auseinandersetzung mit (mehreren!) sozialen Umgebungen“ beschrieben. Kessler/ McKenna verweisen hier auf die gesellschaftliche Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit, die auf den Grundannahmen der Eindeutigkeit, Nahrhaftigkeit und Unveränderbarkeit beruhe. Ergebnisse aus Biologie und Ethnologie stützen die These der sozialen Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit. Hagemann-White fasst zusammen: „Zweifellos gibt es Körpereigenschaften, die mit der Fortpflanzung enger oder entfernter zusammenhängen, jedoch ist ihre Beachtung und ihre Verwendung als Maßstäbe für einen Primärstatus der Geschlechtszugehörigkeit offensichtlich variabel und von gesellschaftlichen Bedingungen abhängig.“ (7).

3.) Kritik an der sex-gender Unterscheidung
Der sex-gender Ansatz unterteilt Geschlecht in eine soziale (gender) und eine biologische (sex) Dimension. Diese Theorien blieben jedoch „in ihrer Annahme, zwischen biologischem und sozialem Geschlecht unterscheiden zu können und zu müssen […] immer noch biologistisch, denn sie mussten einen – meist diffus abgegrenzten- Teil der kulturellen Vorstellungen über maßgebliche Merkmale der Geschlechtszuordnung als ‚Natur’ festschreiben, um davon die bloß anerzogenen Eigenschaften und Erwartungen trennen zu können“. (8) Demgegenüber plädiert Hagemann-White für die „Nullhypothese“, dass es keine naturhaft vorgeschriebene Zweigeschlechtlichkeit gebe, sondern nur verschiedene kulturelle Konstruktionen von Geschlecht.

4.) Geschlecht als symbolische Ordnung
Es gibt eine Geschlechterordnung, die unabhängig von den (Einzel-)Handlungen der Individuen feststeht, in den alltäglichen Handlungen jedoch täglich neu geschaffen, reproduziert wird. Nicht die Merkmale von Personen (weibliche oder männliche Geschlechtsmerkmale) bestimmen die zugeschriebene Geschlechtlichkeit, vielmehr ist Geschlechtszugehörigkeit symbolisch und muß dargestellt werden. Glückt diese Darstellung, so wird das Vorhandensein entsprechender Genitalien unterstellt.
Geschlecht als ein „fundamentales Ordnungsprinzip“ wird schon von Kindern angeeignet: weniger als ein kognitives Prinzip als als Code, der in die Identität eingelagert ist. Die Selbstzuordnung als Mädchen oder Junge ist in unserer Kultur Bedingung der Möglichkeit von Identität (vgl. 12).
Hagemann-White, Carol (1988): „Wir werden nicht zweigeschlechtlich geboren …“, in: Hagemann-White, Carol / Rerrich, Maria (Hg.): FrauenMännerBilder. Männer und Männlichkeit in der feministischen Diskussion. Bielefeld: AJZ, 224-235.“

Kommentar GB:

Falls Sie, verehrter Leser, nach Lektüre den Eindruck gewonnen haben sollten, dass diese und andere lesbische oder nicht-lesbische Menschinnen wohl ´nicht mehr alle Tassen im Schrank haben´, wie man in solchen Fällen zu sagen pflegt, nun, dann könnte ich Ihnen nicht widersprechen.  Aber wenn das aus den USA kommt, dann muß ja etwas daran sein, meinen Sie nicht? Und wir  hier in Germany sind doch alle sehr kreative Abschreiberinnen und Nachplapperinnen. Und dass der Darwinismus mit seiner Evolutionstheorie biologistischer Blödsinn ist, das hat sich doch im gesamten bible belt herumgesprochen. Wußten Sie das nicht? Durch den Kreationismus  wissen wir doch, dass Biologie etwas ist für Pflanzen und Tiere, aber doch nicht für uns, denn wir sind über jene gottähnlich erhaben und lediglich sozial konstruiert, so, oder anders, oder wiederum so und anders, ganz wie Sie wollen! Suchen Sie es sich aus! Anything goes!

Vielleicht schreibt mir mal jemand, in welcher medizinischen Fachrichtung solche Leute behandelt werden?