Medienspiegel

Zu viel Hölle im Spiel?

Von Heinrich Schmitz

„Bei The European wird hitzig über das Recht auf Abtreibung debattiert.

Dabei wird aber übersehen, dass es ein solches Recht eigentlich nicht gibt – eigentlich.“  –

3 / http://www.theeuropean.de/heinrich-schmitz/9098-juristische-lage-zur-abtreibung

2 / http://www.theeuropean.de/alexander-wallasch/9091-abtreibung-als-recht-der-frau

1 / http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/9085-abtreibung-und-der-mensch-als-ware

Kommentar GB:

Die Moralphilosophie fragt nach ´dem Guten`. Was ist (jeweils) das Gute? Darauf muß eine Antwort gegeben werden. Zu fragen ist:

A / Ist Abtreibung, die Tötung eines ungeborenen Kindes, im moralischen Sinne etwas Gutes?

Wenn ja, wie kann das begründet werden? Mit einem Selbstbestimmungsrecht der Frau? Also im Kern eine „Lizenz zum Töten“ – nur für Frauen?

Etwa durch eine  Streichung des § 218 StGB?

Das setzt voraus, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frau – ihre Willkür – moralisch höher zu bewerten wäre als das Lebensrecht des ungeborenen
Kindes und als das Recht des Vaters, Vater zu werden. Ja, doch, es soll vorkommen, dass Männer Väter werden w o l l e n.

Da es sich hier um ein konfliktäres Dreieck moralischer Rechte handelt, wird die Lösung zugunsten nur ´einer Ecke`, hier der Frau, kaum akzeptabel
sein können. Aber so etwas wird – hier von Gisela Notz – durchaus gefordert, allerdings moralphilosophisch und juristisch völlig unreflektiert:

http://www.sexuelle-selbstbestimmung.de/246/rede-von-gisela-notz

B / Oder ist sie grundsätzlich etwas, was moralisch schlecht und damit grundsätzlich zu verwerfen ist? Wenn ja, gibt es dennoch rechtfertigende Gründe?

Welche könnten das sein? Kriminologische und medizinische Fälle? Ja, diese sind moralisch vertretbar, obwohl auch hierbei Tötung Tötung bleibt.
Aber es sind eben die wohldefinierten Ausnahmen von der Regel. Welche tragfähigen Gründe gibt es noch? Wie werden sie ggf. hinreichend überprüft?
Das ist die Frage.

C / Die Ausblendung der Väter

Eine Abtreibung betrifft nicht nur die werdende Mutter und das werdende Kind sondern ebenso den werdenden Vater.

Was die Männer angeht, die für Frau Notz anscheinend völlig unbeachtlich sind, gebe ich bedenken, dass es keineswegs so sein muß, dass, wie Frau Kelle wohl meint, Männer als werdende Väter für Abtreibung wären.

Das Gegenteil ist ebenso möglich. In diesem Fall aber werden die Männer m. W. aber weder befragt noch haben sie eine Mitsprachemöglichkeit. Die Frau entscheidet (nach gesetzlich vorgesehener Beratung) ganz alleine. Sie läßt das werdende Kind, welches auch s e i n Kind ist, einfach töten.

Inwieweit der Fall relevant ist, das ist eine m. W. offene empirische Frage. Aber sie muß m. E. gestellt werden.

Es geht nicht an, den Männern bzw. den werdenden Vätern schlichtweg pauschal zu unterstellen, sie würden Druck in Richtung Abtreibung ausüben, auch wenn ich einräume, dass das durchaus möglich ist – und dass es möglicherweise auch keineswegs selten sein mag. Wir wissen das nicht.

Und deshalb müßte das erst einmal empirisch geklärt werden, bevor ´Schuldzuweisungen´ ausgesprochen werden; 

wieder einmal nach dem Motto: die Männer sind an allem schuld.

Nein, so ist es eben nicht.