Medienspiegel

Doppelt doppelt gemoppelt

Veröffentlicht

Von Günter Buchholz

Wenn eine Person Christine Wächter heißt, dann wissen die Menschen unseres Kulturkreises, dass es sich fast ganz sicher um eine weibliche Person handelt, denn Ausnahmefälle mögen zwar vorkommen, sind aber selten bis sehr selten.

Anders ist es, und das kann zu Unklarheiten führen, wenn die Vornamen nicht aus unserem Kulturkreis stammen. Dann kann es durchaus geschehen, dass ein Leser des Namens nicht oder jedenfalls nicht sofort weiß, ob die benannte Person weiblich oder männlich ist.

Aber Christine Wächter wird ebenso wie wir wissen, dass sie eine weibliche Person ist, davon kann man getrost ausgehen.

Und jetzt schauen wir uns an, wie sie sich selbst darstellt:

Christine Wächter, Ao.Univ.-Prof.in Dr.in, Dipl. Umwelttechnikerin

http://www.ifz.tugraz.at/Team/Wissenschaftliche-MitarbeiterInnen/Waechter-Christine

Jeder Leser weiß, wenn er den Vornamen und den Familiennamen gelesen hat, dass es sich um eine weibliche Person handelt. Aber diese weibliche Person meint nun, es sei notwendig und geboten, uns mitzuteilen, dass sie außerordentliche Universitäts-Professorin, dass sie Doktorin, und dass sie Umwelttechnikerin sei.

Träfe ich sie, wie sollte ich sie dann anreden? Frau Professorin Wächter? Das wäre bereits doppelt gemoppelt. Ich würde sie als Frau Professor Wächter anreden. „Professor“ ist ein akademisches Amt, nicht eine Person. Personen füllen dieses Amt aus, aber sie sind nicht dieses Amt. Die Professur ist eine Stelle in der Hochschulorganisation!

Und wie ist es mit dem Doktorgrad? Sollte man sagen: Frau Doktorin Wächter?  Das wäre wieder doppelt gemoppelt. Ich würde sie als Frau Doktor Wächter anreden. Denn „Doktor“ ist ein akademischer Titel ohne Geschlechtsbezug.  Bei seinem Erwerb kommt es – jedenfalls regulärerweise – auf eine Forschungsleistung an, die von einem zuständigen akademischen Prüfungsausschuß anerkannt und auf Basis von Gutachten bewertet wird.

Nehmen wir an, ich würde Frau Christine Wächter als „Sehr geehrte Frau Professorin Doktorin Christine Wächter“ ansprechen, ob ihr das wohl gefiele? Immerhin klingt das wie:  „Der weiße Schimmel ist weiß ganz weiß.“ Ja, aber Schimmel genügt, man braucht das implizite Merkmal weiß nicht noch weitere drei Male zu wiederholen.

Würde sie sich womöglich veralbert vorkommen? Vermutlich schon, obwohl sie diese Veralberung selbst nahelegt.

Und noch etwas: akademische Tätigkeit an Hochschulen hat fast alles mit dem jeweiligen Kopf und fast nichts mit irgendwelchen sonstigen biologischen Merkmalen der jeweiligen Personen zu tun. Weshalb nur legt Christine Wächter derart großen Wert darauf, die Aufmerksamkeit des Lesers von ihrem Kopf weg und auf ihr Geschlecht hinzulenken? Was will sie uns damit sagen? Dass es aus ihrer Sicht nicht auf ihren Kopf, sondern auf ihr Geschlecht ankommt? Oder was sonst mag sie damit meinen?

Abschließend ein Hinweis: es geht mir hier nicht um Christine Wächter, sondern es geht mir um eine hier exemplarisch glossierte feministische Sprachpraxis.

Man könnte das alles einfach mit Humor nehmen. Und das empfehle ich. Deshalb: es darf gelacht oder geschmunzelt werden, ganz wie es Ihnen gefällt!