Medienspiegel

Fack ju Göhte, hallo Pegida! Was geht im Abendland?

„Es ist ein merkwürdiges Geräusch in dieser Dresdner Nacht. Gemurmel. Und Schritte. Das Geräusch von Zigtausenden von Schritten. Ich treffe mich mit einem Dresdner Freund, aufgeschlossener Typ, Studium und Examina in New York, Vater von vier Kindern, CDU-Mitglied. Maximilian Krah. Irgendwann wird er im Bundestag sitzen, das hat er sich geschworen.

Anwalt. Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der sich seinen zu dieser Demonstration gleich mitgebracht hat, das hier fühlt sich an wie eine Mutprobe. Denn die Pegida gilt als Bodensatz der Demokratie. Hier marschieren, schweigend, „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

Normalerweise heißt es ja „christliches Abendland“, aber wahrscheinlich dachten sich die Organisatoren, damit könnten sie den Bogen endgültig überspannen. Sie haben es schwer genug.

Natürlich Fahnen. Mit Rot-Schwarz-Rot ist der Dachverband der Burschenschaftler vertreten. Im 19. Jahrhundert wäre das noch ein subversives Statement gewesen, aber heute? Natürlich die Deutschlandfahnen. Einige Marschierer tragen schwarz-rot-goldene Lampions, wie man sie vom Martinszug kennt.“   –  Zum Artikel:

http://www.welt.de/kultur/article135631350/Fack-ju-Goehte-hallo-Pegida-Was-geht-im-Abendland.html

und – sehr ausführlich und differenziert, am 21.12.2014, von Stefan Locke, Dresden:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/pegida-ueber-den-umgang-mit-einem-phaenomen-13331379.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

und 🙂

http://www.der-postillon.com/

Kommentar GB:

Was mir aufgefallen ist:

Die Mainstream-Medien und die Politik werfen den Demonstranten vor, dass diese sich weigern, mit ihnen zu reden, dass sie die Kommunikation völlig verweigern (so im Presse-Club), dass sie also genau das tun, was Politik und Medien seit langem konsequent mit allen machen, die, z. B. im Internet, dem ´Mainstream´ widersprechen, einerlei ob mit guten Argumenten oder nicht. Man kann das am Beispiel des ´Gender Mainstreaming´ aufzeigen und belegen.

Die politisch-mediale Praxis der Ausgrenzung, der Ignoranz und der Diffamierung schlägt jetzt wie ein Bumerang auf die zurück, von denen sie ausgeht.

Jetzt wäre die Stunde, etwas zu begreifen und zu lernen, statt dessen wird die diffamatorische Praxis verschärft, die seit langem und fast überall an Stelle an einer  substantiierten Kritik getreten ist, weil die intellektuelle Fähigkeit einer problembezogenen Kritik weitgehend verloren gegangen ist:

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-12/pegida-gerhard-schroeder-aufstand-der-anstaendigen

Statt dessen wird der Autoritarismus gestärkt, während zugleich die Demokratie sichtlich schwächer wird, ganz so, als hätte sie die Schwindsucht.

Man muß das alles m. E. im Zusammenhang damit sehen, dass sich die Nichtwähler aus unterschiedlichen, im einzelnen nicht bekannten Gründen aus dem Parlamentarismus zurückgezogen haben.

Bezieht man die Wahlergebnisse nicht auf die abgegebenen Wählerstimmen, sondern auf die Anzahl der Wahlberechtigten, dann ergibt sich rechnerisch ein Bild, in dem die vermeintliche Mehrheit womöglich bloß eine Minderheit repräsentiert. Das wird am Wahlabend regelmäßig bagatellisiert. Zumindest insoweit, wie Wahlenthaltung nicht aus bloßer Trägheit, sondern als bewußter Akt stattfindet, ist damit ein ernsthaftes Problem gesetzt. Denn es wird damit angezeigt, dass bestimmte Interessen und Probleme ausgegrenzt werden. Welche sind das? Und welche Legitimität können sie beanspruchen? Wir wissen es nicht.

Gibt es noch ein kritisch-produktives politisches Spannungsverhältnis zwischen Regierung und Opposition? Oder hat sich so etwas wie eine „Bürgerliche Einheitspartei“ (mit gefühlslinken Einflüssen) herausgebildet, mit einem politischen Graviationszentrum und ein paar Satelliten? Und mit einer weitgehend vereinheitlichten politischen Agenda, die sich nur noch in Nuancen unterscheidet? Mit einer Gewaltenteilung, die nur pro forma noch existiert, und mit Wahlen, in denen Wähler, weil alternativlos, zustimmen dürfen? Damit die Vorstellung der Bedeutsamkeit des Wahlakts erhalten bleibt? Demokratie als Farce? –  Man lese hierzu weiter:

http://le-bohemien.net/2014/12/22/ein-autoritares-europa/