Medienspiegel

Die Lüge von der Vereinbarkeit

Von Ferdinand Knauß

„Auch wenn stets das Gegenteil behauptet wird:

Die totale Mobilisierung beider Geschlechter für das Arbeitsleben lässt nicht genug Zeit für Kinder.“

„Die Vereinbarkeit ist allgegenwärtig. Sie fehlt in kaum einer Pressekonferenz von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles oder Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Und in Personalabteilungen redet man ohnehin von fast nichts anderem mehr.

Arbeit und der Rest des Lebens sollen miteinander vereinbar sein. Das finden alle gut und richtig, ob Staat, NGO oder Unternehmen. Und die arbeitenden Männer und Frauen sowieso.

Roland Berger hat vor kurzem eine Studie präsentiert, mit deren Hilfe man eine „neue Vereinbarkeit“, also einen „Qualitätssprung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ fordert. Das klingt natürlich besonders fortschrittlich.

Drei Dinge stellen die Autoren heraus: Unternehmen nehmen wahr, dass auch Väter ein Familienleben haben möchten; Berufseinsteiger erwarten, dass der Job sich nach der Lebensplanung richtet; Eltern wünschen sich, beide „vollzeitnah“ zu arbeiten und Familienarbeit fair zu teilen.

Der letztgenannte Wunsch, so die Berger-Autoren, gehe bisher zu selten in Erfüllung. Die Antwort darauf könne „nur in noch mehr Flexibilisierung“ liegen.

So verstehen das auch die meisten Unternehmen. Und in diesem Sinne bieten sie eigene Kindergärten an und erlauben Heimarbeit.  Doch dass diese Angebote zur Vereinbarkeit nicht auf Kosten der Nettoarbeitsleistung gehen dürfen, versteht sich für Arbeitgeber von selbst. Wo dann durch Flexibilisierung unterm Strich mehr Zeit für die Familie herkommen soll, versteht sich aber nicht von selbst.“   –   Zum Artikel:

http://www.zeit.de/karriere/2015-02/vereinbarkeit-familie-beruf-luege

und ganz ähnlich, von zwei betroffenen Frauen geschrieben:

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-09/vereinbarkeit-familie-beruf-luege-gastbeitrag

sowie, aus der Sicht von Familien mit mehreren Kindern:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/beruf-und-familie-die-vereinbarkeits-luege-13438071.html

Kommentar GB:

1. Niemand kann alles haben!

2. Eine Entscheidung für etwas ist zugleich immer eine Entscheidung gegen etwas!

3. Zielkonflikte werden in aller Regel durch Kompromisse gelöst!

4. Kompromisse werden immer wie das ungefähr halbvolle Glas Wasser erlebt, nämlich als eher mehr oder als eher weniger akzeptabel.

5. Daher sind Komprommisse unvermeidlicherweise oft nicht für alle Beteiligten zufriedenstellend.

Wie man den hier genannten Zielkonflikt zwischen Familie und Beruf bei den heute gegebenen Randbedingungen über die verschiedenen heute möglichen Kompromisse hinaus zukünftig lösen könnte,

dazu lesen Sie bitte:

Christine Bauer-Jelinek

„Und auch die Frage nach Vereinbarung von Beruf und Familie wird politisch falsch diskutiert. Zum einen, weil neben der Kinderbetreuung auch die große Problematik der Altenbetreuung und Pflege auf uns zukommt. Zum anderen, weil die Teilzeitfrage nicht nur für Frauen, sondern zunehmend auch für Männer existiert. Wenn Männer wie von der Frauenpolitik gefordert zweimal in Karenz gehen und Teilzeit arbeiten, dann werden auch sie in der Altersarmut enden und das Einkommensniveau der Familie wird drastisch sinken – man sieht: Auch das ist kein Geschlechterthema! Was man viel dringender als Quoten für Aufsichtsrätinnen fordern müsste, ist eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, erst dann ließen sich für beide Geschlechter Beruf, Familie und Selbstentwicklung realisieren.“  (Hervorhebung: GB)  –  Quelle:

http://cuncti.net/streitbar/870-warum-eine-frauenquote-fuer-top-positionen-niemandem-nuetzt-vor-allem-nicht-den-qualifizierten-frauen