Medienspiegel

Wenn die Presse gesteht, eine Lügenpresse zu sein

Von Hadmut Danisch

„Ich habe mir gerade aufgrund eines Zitats, das ein Leser als Kommentar hier eingeworfen hat, den neuesten SPIEGEL (7/2015) gekauft. Darin findet sich eine unerhörte, geradezu fundamentale Aussage.

Es geht um den Artikel des SPIEGEL über den Fall Tugce (Gut gegen Böse, Seite 46-48). Der SPIEGEL liefert ein ziemlich geschlossenes und detailliertes Bild der Abläufe an diesem Abend, an dem ich jetzt aus meinem Wissensstand erst mal nichts auszusetzen hätte, es ist stimmig, „rund“, plausibel und passt zu der Videoaufnahme.

Aber: Es passt nicht zu dem, was uns die Presse zum Fall Tugce einhämmern wollte. Die Presse, das Fernsehen, die Journalistenbranche hat uns da einfach irgendeine Gutmenschenstory aufgetischt, wohl auch in dem Wettrennen, dass jeder schneller als der andere sein müsse, um den Umsatz zu machen. Mir fällt dazu nicht nur das Gejammer um die fallenden Umsätze ein, die ich auf Journalistenkonferenzen des „Netzwerk Recherche“ gehört habe, sondern auch, dass es da früher mal den Slogan „Be first. But first be sure.“ gab, der bei meinem letzten Besuch schon nicht mehr benutzt wurde. Scheint nicht mehr zu gelten. Inzwischen scheint es eher nach „Raushauen, egal wie“ zu gehen.“

Zum Artikel:

http://www.danisch.de/blog/2015/02/08/wenn-die-presse-gesteht-eine-lugenpresse-zu-sein/

Kommentar GB:

Der Begriff der „Lügenpresse“ ist m. E. völlig unzutreffend.

Tatsächlich handelt es sich bloß um gelegentliche Unwahrheiten.