Rechtschreibkatastrophe

Vernachlässigung fängt in den Grundschulen an

Von Michael Klein und Dr. habil Heike Diefenbach

„Ein Leser von ScienceFiles hat uns auf einen Artikel in der Tageszeitung “Der Westen” aufmerksam gemacht, der mit “Dozenten klagen: Lehramtsstudenten können nicht schreiben” betitelt ist. Die Legasthenie erreicht die Mittelschicht, so muss man wohl konstatieren…

Der Beitrag basiert im Wesentlichen auf der täglichen Rechtschreibkatatrophe, von der Peter Kruck, Wissenschaftslektor und Kommunikationswissenschaftler berichtet: “Die meisten Lehramtsstudenten können keine zwei Sätze fehlerfrei schreiben”. Was Kruck hier beschreibt, ist eine Abwärtsspirale, denn die Lehramtsstudenten, die die Orthografie und die Grammatik des Deutschen nicht mehr beherrschen, gehen an Schulen, um dort Schülern ihre nicht vorhandenen Kenntnisse weiterzugeben.

Das Ende ist absehbar: Rechtschreibkatastrophe.

Die Ursache für dieses Rechtsschreibkatastrophe wird nicht nur im Beitrag aus “dem Westen” in der von Jürgen Reichen entwickelten Methode des “Lesens durch Schreiben” gesehen. Reichen, einer der Reformpädagogen, die man zwischenzeitlich zu fürchten gelernt hat, war der Ansicht, dass Disziplin und Drill in Schulen hinderlich seien, dass es wichtiger sei, Kinder zu kreativen Kindern zu machen und ihnen eine – natürlich: kreative Stimme zu geben.

Seine Methode sieht nicht vor, dass man Kindern Lesen und Schreiben mit der Fibel beibringt, die mühsam jeden einzelnen Buchstaben zur Nachahmung bereitstellt und stückweise zu ersten kleinen Worten zusammenfügt. Derartiger Drill war Reichen zuwider. Kreativität war sein Ziel, und Kreativität ist, was er mit seiner Methode zweifelsohne erreicht hat: Die Art und Weise, in der Kinder heutzutage Worte schreiben, von denen man dachte, man wüsste, wie sie geschrieben werden, ist mit Sicherheit kreativ.“  Zum Artikel:

http://sciencefiles.org/2015/03/13/rechtschreibkatastrophe-vernachlassigung-fangt-in-den-grundschulen-an/

und

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Reichen