Über den Gender-Begriff (1)

Günter Buchholz

Die bezüglich feministischer Themenfelder bekanntlich weitgehend von Feministinnen kontrollierte Wikipedia definiert den Gender – Begriff wie folgt:

„Der Begriff Gender [ˈdʒɛndɐ] bezeichnet als Konzept die soziale, gesellschaftlich konstruierte oder psychologische Seite des Geschlechts einer Person im Unterschied zu ihrem biologischen Geschlecht (engl. sex). Der Begriff wurde aus dem Englischen übernommen, um auch im Deutschen eine Unterscheidung zwischen sozialem („gender“) und biologischem („sex“) Geschlecht treffen zu können, da das deutsche Wort Geschlecht in beiden Bedeutungen verwendet wird.“

[Kritisch hierzu: http://de.wikimannia.org/Genderismus]

Das bedeutet:

„Gender“ ist die soziologistische Fassung von „sex“ genau dann, wenn „sex“ verleugnet wird und „gender“ an dessen Stelle tritt.

Was sind nun „Genderaspekte in der Forschung“?  Dazu lesen wir seitens des Bundesministeriums für Forschung folgendes (Auszug):

„Geschlechterforschung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Wissenschaftssystems. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Berücksichtigung von Genderaspekten in der Forschung zur besseren Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen beitragen und die innovationskraft stärken. Detaillierte Hintergrundinformationen stellt z. B. das Projekt Gendered Innovations unter

http://genderedinnovations.stanford.edu/

zur Verfügung.“ (AZ: GZ 124-02500/1 BMF / Dr. Marijke Loman)

Wer nun oben anklickt, der wird sehen, dass es dort um medizinisch-naturwissenschaftliche Forschungsvorhaben im Hinblick auf Männer einerseits und Frauen andererseits geht, zwischen denen es, was niemanden überrascht, mancherlei Unterschiede gibt, von denen etliche im Hinblick auf Diagnose, Therapie und Medikation von erheblicher medizinischer oder pharmakologischer Bedeutung sind.

Das sind ohne Zweifel wichtige Forschungen; das Beispiel stammt bemerkenswerterweise aus den USA, nicht aus Europa, oder gar aus dem Zuständigkeitsbereich des BMF, wie man das eigentlich erwartet hätte: warum eigentlich? Gibt es im Zuständigkeitsbereich des BMF nichts, was hier als exemplarisches Beispiel hätte genannt werden können? Es scheint zumindest so zu sein.

Nur haben diese Forschungen an der Stanford University mit ´gender´ im Sinne der Wikipedia-Definition nicht das geringste zu tun, denn dieser Begriff ist ein rein soziologischer Begriff, der im Hinblick auf biologische oder andere Sachverhalte nicht nur völlig leer ist, sondern der ihm von den Genderisten sogar kämpferisch entgegengesetzt wird: ´gender´wird begrifflich gegen ´sex´ausgespielt, um ´sex´vollständig durch ´gender´zu ersetzen. Das ist das Ziel.

Aber es scheint in den USA wie in Europa kaum möglich zu sein, für eine relevante nicht-naturwissenschaftliche Gender-Forschung einen Beleg zu finden. So hilft man sich mit dem Etikettenschwindel, bei dem Gender-Forschung genannt wird, was naturwissenschaftlich-medizinische Sex- (also geschlechtsbezogene) Forschung ist, wie das Beispiel der Stanford-University zeigt. So etwas nenne ich neudeutsch einen ´dirty trick, oder: einen bewussten Schwindel.

Es ist allerdings einzuräumen, dass im Gender – Kompetenzzentrum an der Humboldt-Universität dieses Problem, das sich aus der scharfen Entgegensetzung von ´gender´ versus ´sex´ ergibt, anscheinend bemerkt worden ist, immerhin, und dass man dort auf mehr als zehn Seiten Text einen argumentativen, oder wenigstens eine rhetorischen, Ausweg aus dem Paradoxon gesucht hat, wonach dann auch das, was ´gender´  gerade nicht ist, nämlich ´sex´ bzw. das Biologische, als das bezeichnet wird, was dennoch auch ´gender´ sein soll, nämlich wiederum ´sex´ bzw. das Biologische:

http://www.genderkompetenz.info/w/files/gkompzpdf/gkompz_was_ist_gender.pdf

Doch dazu später mehr. –