Wenn die Guten richtig böse werden (Monatsrückblick Februar 2015)

Von Lucas Schoppe  –  Auszug:

„Offene Diskussionen werden als Bedrohung wahrgenommen, Debattenlagen nach klaren Freund-Feind-Mustern sortiert, Äußerungen nicht nach ihrem Inhalt bewertet, sondern danach, welche Person sie getätigt hat und welcher Gruppe diese Person angehört.
 
Auch die Entscheidung, wer gewalttätig ist und wer nicht, braucht keinen genauen Blick auf den einzelnen Fall, sondern kann ganz mit Blick auf die beteiligten Personen und ihre Geschlechtszugehörigkeit gefällt werden.
„Wir sind die Guten“, stand neulich allen Ernstes und erheblich fremdscham-induzierend auf einem Plakat demonstrierender Lehrer. In seiner Infantilität ist dieser anmaßende Spruch typisch für gegenwärtige Debatten: Vor aller konkreten Politik, vor allen pragmatischen Zielen, vor aller sachlichen Auseinandersetzung steht die Überzeugung, selbst zu den Guten zu gehören.  (Hervorhebung: GB)
Wer auf der falschen Seite steht, auf der dunklen Seite der Macht, hat keine Fairness zu erwarten, und die Konsequenzen der Angriffe auf ihn sind nicht weiter von Belang. In der Fantasie der Angreifer gehört der Angegriffene ohnehin zu den Privilegierten, für die es vielleicht einmal ganz lehrreich sei, ausnahmsweise einmal hilflos und gedemütigt zu sein. Der Student in Oregon beispielweise wurde gar vom Campus verwiesen, weil er dem Vergewaltiger einer Mitstudentin ähnelte – obwohl alle wussten, dass er nicht der Vergewaltiger war.
Vielleicht aber sind die vorsichtigen Versuche, ausgeblendete Themen in die Debatte einzuführen und vertraute Frontstellungen durcheinander zu bringen, Ausdruck eine langsam wachsenden Überzeugung, dass eine solche undemokratische, auch verachtungsvolle Politik nicht ohne offenen Widerspruch bleiben darf.
Zum Artikel:

http://man-tau.blogspot.de/2015/03/wenn-die-guten-richtig-bose-werden.html

Kommentar GB:

Sehr auffällig ist die völlige Unfähigkeit der feministischen Szene, angemessen mit KRITIK, und das heißt: mit begründeter und belegter, also rationaler Kritik umzugehen. Sie wird nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen regelmäßig als persönlicher Angriff mißverstanden, weil die Differenzierung zwischen Subjektivität und Objektivität nicht gelingt. Das Subjektive wird irrig für das Objektive gehalten: weil Frau etwas so fühlt oder so empfindet, typischerweise etwa eine (gefühlte) Diskriminierung, deshalb müsse es sich auch faktisch um eine solche handeln.

Oder: Frau „fühlt“ sich als politisch auf der ´guten´ politischen Linken stehend, wie Heide Oestreich, die sich wie zahllose andere ihresgleichen einbildet, von dieser eingebildeten und irrealen Position aus sich diffamierend gegen imaginierte „Rechte“ äußern zu dürfen, während ihre eigene, objektiv privilegierende Politik doch eben deshalb keine linke, sondern objektiv (!) eine rechte Poltik ist, was aber verleugnet wird, gerade weil es so ist. Heide Oestreich bietet hier

http://www.gwi-boell.de/de/2015/03/18/und-dann-bitte-noch-vegan-birgit-kelle-macht-sich-gender-wie-es-ihr-gefaellt

ein aktuelles Beispiel für die Kritikunfähigkeit des Feminismus, der bekanntlich alles „hinterfrägt“, nur nicht sich selbst. Und das ist eine brauchbare Definition für den intellektuellen Bankrott.

So erweist sich die tiefe Irrationalität der feministischen Szene, und diese erklärt, weshalb sich ein Dialog, der auf Rationalität angewiesen ist, gar nicht entwickeln kann. Das Folgeproblem ergibt sich daraus, dass rationale Regelungs- und Ordnungsstrukturen, die sich an objektiven Merkmalen ausrichten, durch den wachsenden Einfluß des Irrationalismus (nebenbei bemerkt: nicht nur des feministischen, sondern ebenso des religiösen Irrationalismus) zunehmend ausgehöhlt und unterwandert werden, und dies zum Schaden des Gemeinwohls. Wer in der Tradition der Aufklärung denkt und handelt, ist aufgefordert dazu beizutragen, solche Irrationalismen aufzuhalten und zurück zu drängen.