„Die demografische Uhr tickt unbarmherzig“

Interview von Ferdinand Knauß mit Herwig Birg

Herwig Birg war 1981-2004 Geschäftsführender Direktor des Instituts für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik der Universität Bielefeld. Sein aktuelles Buch: Die alternde Republik und das Versagen der Politik. Eine demografische Prognose, LIT 2015.

Der Demograf Herwig Birg beklagt das totale Versagen der deutschen Politik angesichts der Bevölkerungsentwicklung. Die Parteien betreiben systematische Schönfärberei – aus Feigheit vor dem Wähler.  –  Auszug:

„Und die Demografiestrategie der Bundesregierung?  

Diese Demografiestrategie verdient den Namen nicht. Da ist nur von den Auswirkungen die Rede, und wie man sich an sie anpassen soll. Kein Satz über die Ursachen! Die Verfasser gehören zu der ganz kleinen Gruppe von Bundestagsabgeordneten, die sich überhaupt für Demografie interessieren. Aber selbst die weigerten sich, das zentrale Thema der Geburtenrate auch nur zu berühren, geschweige denn Lösungsvorschläge zur Steigerung der Geburtenzahlen vorzuschlagen.

Warum wird dieses Thema nicht angefasst?

Das hat wahrscheinlich sehr tiefe Wurzeln. Da kommen wir in die Sozial- und Geschichtsphilosophie. Vielleicht sehnt sich dieses Land danach, die als unerträglich schwere Last empfundenen Themen endlich abzuwerfen, nachdem Deutschland im 20. Jahrhundert von einer Katastrophe in die andere stolperte. Auf einem der jährlichen Demografieforen der Bundesregierung sagte mir ein hochrangiger Vertreter der deutschen Wirtschaft hinter vorgehaltener Hand, nachdem er gerade eine regierungsfreundliche Rede über die angeblichen Chancen der demografischen Entwicklung gehalten hatte, es hätte ohnehin keinen Sinn mehr, in Deutschland etwas zu tun. Seine vier Söhne würden alle auswandern. Das ist typisch für das Verhalten vieler politischer Verantwortungsträger. Vermutlich gibt es ein unterschwelliges Einverständnis mit dem demografischen Abwärtstrend, eine Art Sehnsucht nach dem Ende des Weges, der als Sackgasse erkannt wurde.“  (Hervorhebung: GB)

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/herwig-birg-die-demografische-uhr-tickt-unbarmherzig/11451966.html

Kommentar GB:

Die Geburtenziffern von deutlich unter 1,5 Kindern je Frau in Westeuropa garantiert eine Schrumpfung und Vergreisung der Gesellschaft.

Erst mit ca. 2,1 Kindern je Frau bliebe die europäische Bevölkerung konstant.

Ein wesentlicher Grund für die in diesem Sinne zu geringen Geburtenziffern dürften in einer Frauenpolitik liegen, die weibliche Erwerbstätigkeit zu Lasten von Müttern und Familien fördert.

Und die Politik der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in der SPD ist mit ihrer Frauenpolitik hierfür verantwortlich, wenn auch nicht alleine, sondern in Gemeinschaft mit vergleichbaren frauenpolitischen Gruppierungen in anderen Parteien. Und die Männer, die das zugelassen haben, sind ebenfalls verantwortlich für die sich daraus entwickelnden Probleme.