Islam in Deutschland?

Professor Dr. Tilman Nagel  –   Auszug:

„Indem sich der Mensch bewusst macht, dass er einzig den einen in ununterbrochenem Schöpfungshandeln begriffenen Allah zu verehren hat, kommt Mohammed ins Spiel. Denn ihm allein, dem durch Allah auserwählten Gesandten, verdankt der Muslim das Wissen davon, wie er dies gemäß Allahs Willen zu tun hat. Da er zudem weiß, dass sein Dasein vollkommen durch Allah bestimmt wird wie auch die Welt, in der es nach Allahs Willen abläuft, gibt es für ihn nicht – wie beispielsweise für den Christen – eine Grenze zwischen einem profanen Daseinsvollzug und Handlungen, deren Durchführung eine Weihe voraussetzt. Die islamische „Religion“ – wenn man diesen durch die christliche Tradition geprägten Begriff hier überhaupt verwenden will – ist daher eine alle Regungen des Menschen erfassende Daseinsordnung. Deren Einzelheiten sind aus dem Koran, der unmittelbaren Rede Allahs, und aus dem Hadith, den Überlieferungen vom göttlich inspirierten Reden und Handeln Mohammeds, abzulesen und abzuleiten. Das Resultat dieser Tätigkeit ist die Scharia, der nach islamischer Vorstellung die Herrschaft und das Gemeinwesen, die Gesellschaft und das Denken, Reden und Handeln des Einzelnen immer und ausnahmslos zu unterwerfen sind, wie auch das ganze Diesseits dem fortwährenden Bestimmen und Schaffen Allahs unterliegt. Der Gegenstandsbereich der Scharia wird dementsprechend als unbegrenzt aufgefasst. Es gibt Schriften, die dem Muslim erläutern, wie er auch die banalsten Verrichtungen schariagerecht auszuführen und wie er sie als den Ausdruck einer ununterbrochenen Verehrung und Anbetung Allahs zu gestalten habe. Das Fetwa-Wesen unterstützt ihn bei diesen Bemühungen. So verwirklicht sich, was der Koran den Muslimen zusagt: „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen gestiftet wurde…“ (Sure 3, 110).“   –   Zum Artikel:

http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/klartextfabrik/2015_04_01_dav_klartextfabrik_islam.html

und der Quelltext:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-koran-5228/1

Kommentar GB:

Die grundsätzliche Frage ist die nach dem Stellenwert der Vernunft in der Gesellschaft. Wenn es zutrifft, dass alle Religionen, wenn sie auch nicht frei sind von Vernunft, als Ganze eben doch Gestalten des Irrationalismus darstellen, dann ist es nur ein pragmatisches Gebot der Vernunft, Religionsfreiheit zu gewähren und zu sichern, schlicht um zu verhindern, dass die „Gläubigen“ sich wegen ihrer mehr oder weniger abwegigen „religiösen“ Ideen wechselseitig die Köpfe einschlagen.

Die Gesellschaft als Ganze sollte soweit möglich eine vernünftig organisierte sein. Und das bedeutet, dass Religionen zwar im Sinne eines pragmatischen Kompromisses toleriert werden sollten, solange der Irrationalismus im Alltagsleben der Menschen vorhanden ist, dass sie aber gegenüber der vernünftigen Ordnung zurücktreten müssen. Im Laizismus fände sich dafür der angemessene Ausdruck.

Diese dem Anspruch nach vernünftige Ordnung hätte sich allerdings fortlaufend kritisch ihrer selbst zu vergewissern, um nicht auf eine bloß instrumentelle Vernunft zu regredieren. Das ist das Problem. Und das ist ohne eine entwickelte politische Kultur nicht denkbar.