Psychodynamiken der Post-Holocaust Gesellschaft

Die Abwehr von Schuld:

Antisemitismus nach und wegen Auschwitz

„Haben die Deutschen im Nationalsozialismus dem Versprechen nach Kollektivmacht in Form nationaler Größe und einem völkischen Antikapitalismus angehangen, der versprochen hat das Abstrakte in Person der Juden zu vernichten, so wurde der kollektive Narzissmus durch die militärische Niederlage gekränkt.

Verbaut ist somit auch die Möglichkeit einer „ungebrochen positive(n) Identifikation“ mit der deutschen Nation und die Überwindung der kollektiv-narzißtischen Beschädigungen.“   –

Zum Artikel:

http://antisemitismus.net/theorie/kritische-theorie/051.htm

Kommentar GB:

Sich schonungslos der Geschichte zu vergewissern, das ist ein erster Schritt.

Ein zweiter Schritt ist, auf der nächsten Konkretionsstufe, die zugehörige kritische biographische Selbstreflexion im Hinblick auf die eigene Person, Familie oder Sippe.

Ein dritter Schritt, und zugleich der entscheidende, ist der Zugang zum subjektiven Erleben der Verfolgten und der Ermordeten.

Es gibt z. B. Berichte von Entkommenen, wie :

Thomas Buergenthal: Ein Glückskind, Frankfurt/Main 2007.

Es wird dort (S.  107 ff.) der Todestransport von Auschwitz nach Sachsenhausen geschildert, und dies aus der Perspektive eines kleinen Jungen.

Und es gibt, m. E. noch weitaus wichtiger und tiefer, aber auch psychisch beanspruchender,

die Sprachkunst der Lyrik von Nelly Sachs, Rose Ausländer und Paul Celan.

Sie ist der Schlüssel.