Bildungspolitik in Frankreich: Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit

von Michaela Wiegel, Paris

„Der französischen Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem geht manches schief.

Zum Beispiel der Versuch, an Grundschulen die Gendertheorie einzuführen.

Ihr neuester Plan: den „elitären“ Deutschunterricht eindampfen.“   –  Auszug:

Ein Debakel nach dem anderen

Es ist nicht leicht, aus der jungen Frau schlau zu werden. Präsident Hollande hat versucht, sie zu einer Ikone der Linken und der Einwanderungsgesellschaft zu erheben: jung, muslimisch, feministisch.

Wie eine kühne Kriegerin hat sie den Kampf aufgenommen. Als Frauenrechtsministerin – von 2012 bis 2014 – zog sie gegen die Prostitution zu Felde und brachte einen Gesetzentwurf ins Parlament, mit dem vor allem die Freier sanktioniert werden sollen. Doch zu ihrem Ärger blockieren die Senatoren der zweiten Parlamentskammer, überwiegend ältere Herren, bis heute den Gesetzentwurf. (…)

Ein ähnliches Debakel erlebte sie mit ihrem Vorhaben, die Gendertheorie an den Grundschulen einzuführen.

Ihr Projekt kam unter der harmlosen Überschrift „Das ABC der Gleichberechtigung“ daher. Aber dahinter verbarg sich eine klare Anleitung, biologische Geschlechterunterschiede in Frage zu stellen. Der Protest von Lehrern und Eltern war so massiv, dass das „ABC-Programm“ nach einer Versuchsphase zurückgezogen wurde.

Attacken gegen die traditionelle Kernfamilie

Vallaud-Belkacem hat das bedauert und ist seither nicht müde geworden, die traditionelle Familienform – Vater, Mutter, Kinder – zu attackieren. Mal schlug sie vor, die Familienförderung für Paare mit Kindern im Steuersystem drastisch zu reduzieren. Dann wieder wollte sie die abweichende sexuelle Orientierung berühmter Schriftsteller und Künstler in Schulbüchern eigens positiv erwähnt wissen. „Die Schulbücher verschweigen bei historischen Persönlichkeiten, ob sie lesbisch, schwul, bi oder trans waren. Das muss sich ändern“, sagte sie.

Mit ihren Forderungen zog sie viel Wut und Misstrauen auf sich. Das konservative Magazin „Valeurs actuelles“ taufte sie „Ayatollah“und nannte sie außerdem „Umerziehungsministerin“. Der Schriftsteller Jean d’Ormesson von der Académie Française bezeichnete sie als „einen charmanten Terminator“, und der Vorkämpfer gegen die Homo-Ehe, der UMP-Abgeordnete Hervé Mariton, gab ihr den Spitznamen „rosa Khmer“.  –  Hervorhebungen: GB

Zum Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/frankreich-vallaud-belkacem-will-deutschunterricht-eindampfen-13609379.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Kommentar GB:

Offensichtlich eine krasse Fehlbesetzung. Aber dafür gibt es auch in Deutschland etliche Beispiele.

Wenn Präsident Holland tatsächlich ein Linker wäre, würde er sich der ökonomischen Austeritäts-Politik widersetzen, anstatt das dekadente Gender-Mainstreaming-Programm als ein angeblich linkes voranzutreiben. Entsprechendes gilt in Deutschland für die SPD. Aber was soll´s,  die europäische Sozialdemokratie hat wahrscheinlich ohnehin keine Zukunft mehr.

http://www.focus.de/politik/deutschland/studie-kritisiert-benachteiligung-von-muslimen-spd-nahe-stiftung-fordert-gleichstellung-von-islam-und-christentum_id_4712551.html

Colin Crouch sieht das vermutlich richtig:

http://www.suhrkamp.de/buecher/postdemokratie-colin_crouch_12540.html