Der Mythos von der “sozialen Konstruktion”

Von Dr. Alexander Ulfig

„Der Begriff „soziale Konstruktion“ spielt eine Schlüsselrolle in den den Gender Studies. Die Vorstellung, dass das soziokulturelle Geschlecht (Gender) eine soziale Konstruktion sei, wird dort als Selbstverständlichkeit betrachtet.

Sie bildet das Fundament, auf dem Gender Studies aufgebaut werden, obgleich der Begriff der sozialen Konstruktion dort nicht genauer bestimmt wird.

Nach einführenden Erläuterungen zum Begriff der sozialen Konstruktion werde ich zeigen, dass im Sozialkonstruktivismus die Begriffe „Konstruktion“ und „Produkt“ oft miteinander verwechselt werden. In einem weiteren Schritt möchte ich die Grenze markieren, an die das soziale Konstruieren stößt. Schließlich werde ich die im Untertitel angezeigte Frage diskutieren, inwiefern sich der Sozialkonstruktivismus besonders gut dafür eignet, eine bestimmte Politik zu betreiben.“  (Hervorhebung: GB)

Zum Artikel:

http://www.freiewelt.net/der-mythos-von-der-sozialen-konstruktion-10059322/

und im Hinblick auf die politisch-praktische Seite der Gender-Politik:

https://frankfurter-erklaerung.de/2015/05/jahrestagung-der-lagen-2015/

Kommentar GB:

Es handelt sich hier um einen m. E. sehr guten, die Grundlagen des feministischen Denkens befragenden und reflektierenden Text.

Dass der Sozialkonstruktivismus, statt dass er begründet würde, dogmatisch vorausgesetzt wird, hat m. E. zusätzlich damit zu tun, dass verkannt wird, dass auch Gesellschaften evolvieren, wenn auch nicht nach denselben Gesetzmäßigkeiten wie die biologischen Arten (species).

Die gesamthaften Ergebnisse des sozialen Handelns sind jedenfalls weder intendiert noch geplant. Das heißt: alle Gesellschaften entwickeln sich, etwa indem sie sich in einem längeren Prozeß von einer Agrar- in eine Industriegesellschaft umwandeln, oder von dieser in eine Dienstleistungsgesellschaft. Dass sich Gesellschaften manchmal ganz anders entwickeln als das intendiert, dass zeigt sich selbst dann, wenn eine solche politische Zentralplanung vorhanden ist; man betrachte hierzu die Entwicklung der Sowjetunion (1917 – 1989).

Dass Gesellschaften historisch entstanden und somit veränderbar sind, und zwar vermitttelt durch das soziale Handeln ihrer Mitglieder, das bedeutet nicht, dass sie konstruiert oder gar beliebig zu konstruieren wären. Sondern sie evolvieren als Totalität und entwickeln in diesem Prozeß unterschiedliche konkrete Widersprüche und neue Möglichkeiten, die vom sozialen Handel aufgegriffen werden können und müssen, um die jeweils anstehenden Probleme zu lösen.