Deutschland – eine verendende Gesellschaft?

Von Michael Klein  –  Auszug:

„Alles ist möglich, nichts ist sicher.

Nicht mehr der rationale Diskurs über die empirische Bestätigung von Aussagen, der Wettbewerb der Argumente und Theorien steht im Zentrum der Gesellschaft, sondern das Gefühl, die Emotion, das was Anatol S. für richtig hält. Es entstehen Gleichfühl-Gemeinschaften, in denen sich Individuen treffen, die sich vormachen können, sie hätten dieselbe Empfindung wie die anderen Mitglieder der Gleichfühl-Gemeinschaft. Gesellschaft als rationale Übereinkunft ist von der Gemeinschaft als Ort der Gleichfühl-Gesinnten abgelöst worden. Nicht mehr die Rationalität entscheidet über das, was als Norm zu gelten hat, sondern das in einer Gesinnungs-Gemeinschaft herrschende Gefühl.“

http://sciencefiles.org/2015/05/04/deutschland-eine-verendende-gesellschaft/

Kommentar GB:

Die Linke i. w. S. ist wohl tatsächlich weitgehend zu einer ´Gefühlslinken´ (s. u.) heruntergekommen, d. h. sie wissen nicht zu begründen, inwiefern und warum sie `Linke ´sind. Man ´fühlt sich so´, das ist schon alles. Die Gleichfühl-Gesinnten bilden soziale Milieus, die einerseits zu Abschottung neigen, und die andererseits heftig missionieren. Missionieren ist aber etwas ganz anderes als jemanden mit Gründen zu überzeugen. Das können sie sowieso nicht. An die Stelle der rationalen Mittel in Gestalt der Kombination aus Begrifflichkeit, Logik und Erfahrung tritt zumeist die emotionale und moralische Beschwörung und Suggestion, die moralische Empörung, und in offensiver Hinsicht die Diffamierung. Und das ist moralisch verwerflich.

http://cuncti.net/politik/469-die-politische-linke-und-der-feminismus

Es geht hier m. E. um einen Konflikt zwischen einem für wissenschaftliches Denken typischen Rationalismus & Empirismus einerseits, und  einen Irrationalismus (Religionen, Ideologien) andererseits. In der Neuzeit hat sich der wissenschaftliche Rationalismus mit schweren Opfern    (z. B. Giordano Bruno, Galileo Galilei) zuletzt gegenüber der bzw. den christlichen Kirchen weitgehend durchgesetzt. Wäre der Rationalismus nicht unter Risiken durchgesetzt worden, dann wäre die Entfaltung der Wissenschaften nicht so möglich gewesen, wie wir das erlebt haben.

Noch das Werk Darwins ist bezüglich seiner Publikation wesentlich als Konflikt eines wissenschaftliche Rationalismus mit einem (kirchlichen) Irrationalismus mit einem entsprechenden Zeitgeist, dem Ausdruck der kollektiven Dummheit also, zu verstehen, dessen Reaktionen auf Darwins Erkenntnisse ja bekannt sind und bis heute anhalten, z. B. in Gestalt des Kreationismus.

Aber der nihilistische Irrationalismus, den Georg Lukacs am Beispiel Friedrich Nietzsches kritisierte, er ist wieder da, und er ist in der Offensive:

1. als wissenschaftsfeindliche, postmoderne Philosophie insbesondere bei Michel Foucault, der m. E. wie ein Wiedergänger Nietzsches wirkt, und in den feministischen Ausläufern, in denen die postmoderne Philosophie als Steinbruch verwendet wird,

2. als fehlende Kritik und als fehlender Widerstand gegenüber dem offensiven islamischen Irrationalismus.

Es ist m. E. dringend geboten, beide Formen des Irrationalismus entschlossen und energisch zurückzuweisen.