Münkler-Watch: Studenten bloggen gegen berühmten Politik-Professor

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Er soll sich in Vorlesungen abwertend über Frauen und Arbeitslose äußern: Studenten der Humboldt-Uni erheben auf einem Blog schwere Vorwürfe gegen Politik-Professor Herfried Münkler. Der spricht von einer „unerträglichen Situation“.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/humboldt-universitaet-berlin-studenten-bloggen-gegen-herfried-muenkler-a-1032545.html

Kommentar GB:

Meine These: Political Correctness ist eine Gestalt gesellschaftlicher Dummheit.

Was alle Wissenschaft braucht, das ist KRITIK, aber Kritik ist weder Meckerei noch Diffamierung und schon gar nicht Denunziation, sondern ein nachvollziehbarer und ggf. belegter Gedankengang, der vorgefundene Überlegungen auf ihre Fehler und Schwächen hin analysiert und betrachtet. Aber dazu muß man dann erst einmal in der Lage sein: das heißt, man muß das vollständig rezipiert und durchdrungen haben, was man kritisieren will. Danach erst kann die Kritik formuliert werden, und dann ist sie ein wissenschaftlicher Fortschritt. Ich frage mich, ob dieser Begriff von Kritik an den Hochschulen überhaupt noch bekannt ist.

Beispiele: Der Untertitel des Marx´schen Hauptwerkes `Das Kapital´ (1863) lautet: ´Kritik der Politischen Ökonomie´ und setzte die Rezeption und Kritik der PÖ in den ´Theorien über den Mehrwert´ voraus. Auch das Hauptwerk von Keynes, ´Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes´ (1936) war auf Grundlage seiner tiefen Kenntnis der neoklassischen Theorie, insbesondere in Gestalt des Werks von Alfred Marshall, deren Kritik zum Zwecke einer gesellschaftlichen Problemlösung, nämlich der Depresssion der 30er Jahre. Solche Art der Kritik ist intellektuell kreativ und produktiv. Wo in akademischen Zusammenhängen aber Kritik abgewehrt wird, da „ist etwas faul im Staate Dänemark“ (Prinz Hamlet). 

Ich kenne den geschilderte Fall nur aus der oben angegebenen Meldung, und ich kann sie nicht überprüfen.

Sie erinnert mich allerdings an etwas:

„Mit Blick auf unsere Gegenwart schreibt Michael Klein die folgende Diagnose:

“Alles ist möglich, nichts ist sicher.

Nicht mehr der rationale Diskurs über die empirische Bestätigung von Aussagen, der Wettbewerb der Argumente und Theorien steht im Zentrum der Gesellschaft, sondern das Gefühl, die Emotion, das was [(…) jemand, GB] für richtig hält. Es entstehen Gleichfühl-Gemeinschaften, in denen sich Individuen treffen, die sich vormachen können, sie hätten dieselbe Empfindung wie die anderen Mitglieder der Gleichfühl-Gemeinschaft. Gesellschaft als rationale Übereinkunft ist von der Gemeinschaft als Ort der Gleichfühl-Gesinnten abgelöst worden. Nicht mehr die Rationalität entscheidet über das, was als Norm zu gelten hat, sondern das in einer Gesinnungs-Gemeinschaft herrschende Gefühl.”

Die politische Linke i. w. S. ist wohl tatsächlich weitgehend zu einer „Gefühlslinken“ heruntergekommen, d. h. sie wissen nicht zu begründen, inwiefern und warum sie im politischen Sinne „Linke“ sind. Man „fühlt sich so“, am liebsten gemeinsam, das ist schon alles. Man meint gefühlsmäßig, das vermeintlich moralisch Gebotene zu vertreten und zu betreiben, kann das aber nicht darlegen und nicht in der nötigen Weise differenzieren sowie andere Sichtweisen und Meinungen nicht nachvollziehen oder begreifen.

Die Gleichfühl-Gesinnten bilden soziale Milieus, die einerseits zu Abschottung neigen, und die andererseits heftig missionieren. Missionieren ist aber etwas ganz anderes als jemanden mit Gründen zu überzeugen. Das können sie sowieso nicht. Beim Irrationalismus tritt die willkürliche oder erzwungene Übernahme irrationaler Positionen an die Stelle der Einsicht. Und an die Stelle der Erkenntnis tritt ein Bekenntnis.“

Mir scheint, diese Formulierungen könnten die hier geschilderte Situation von Prof. Münkler  in Berlin treffen. Weiteres hierzu siehe:

http://cuncti.net/wissenschaft/838-rationalismus-oder-irrationalismus-das-ist-hier-die-frage