Muttertag

Von Sandra Kegel  –  Auszug:

„Es ist wieder Muttertag. Und verlässlich zum zweiten Maisonntag teilt die Nation sich wie einst das Rote Meer: Während die einen mit Hingabe tun, was der Tag verlangt, verweigern die anderen sich demselben Appell. Dass in letzter Sekunde viele Standhafte doch schwach werden, belegen die Zahlen, die vor allem die Blumengilde nach jedem Muttertag aufjubeln lässt. Die Blumenhändler waren es tatsächlich auch, die als Erste auf den Muttertagszug aufgesprungen sind. „Lasst Blumen sprechen!“ hieß schon ihre Fanfare zum Tag in den zwanziger Jahren.

Erfunden aber haben sie den Tag dabei keineswegs, und auch nicht die Nationalsozialisten, wie oft behauptet wird. Der Muttertag ist vielmehr die Erfindung einer Feministin: Anna Jarvis hat 1907 in ihrem Heimatort Grafton in West Virginia den ersten Muttertag veranstaltet. Ihre Idee fußte auf den politischen Zielen der damaligen Frauenbewegung, doch wurde das schnell vergessen. Andere hatten es geschickter als die Suffragette verstanden, die so einfache wie durchschlagende Idee auf ihre Anliegen umzumünzen.

(Hervorhebung: GB)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/wie-erklaere-ich-s-meinem-kind/kindern-erklaert-warum-wir-einen-muttertag-feiern-13582049.html

 

Kommentar GB:

Ich würde mich angesichts der Familienpolitik von Manuela Schwesig nicht wundern, wenn das Wort Mutter bei nächster Gelegenheit zum Unwort des Jahres gekürt werden würde. Da gibt es sicher etliche, denen das gefiele, denn Elter 1 und Elter 2, das reicht doch…

Weshalb der Mutter gegenüber nun aber mehr Wertschätzung zum Ausdruck gebracht werden soll als gegenüber dem Vater, das erschließt sich mir nicht. Einen Vatertag gibt es bezeichnerderweise nur informell, wie einst den 1. Mai der Arbeiterklasse.

Übrigens ist nicht nur der Muttertag keine Erfindung der Nationalsozialisten, sondern ebenso wenig der 1. Mai, der ursprünglich ein illegaler Streiktag der Arbeiterklasse war. Und den erst die Nazis trickreicherweise in einen offiziellen Feiertag umwandelten, was bis heute so geblieben ist.

Es genügt m. E. völlig, die Nazis für das verantwortlich zu machen, was sie wirklich getan haben. Denn das war ja wirklich schlimm genug. Nur sollten diejenigen, die sich dann und wann, und gern auch zu diffamatorischen Zwecken, pauschal auf die Nazis beziehen, wenigstens etwas, also mehr als das Kürzel Nazi, von dieser Zeit wissen.

Sonst wirkt nämlich die Verwendung solcher völlig kenntnisfreier diffamatorischer Formeln als öffentlicher Ausweis persönlicher Dummheit.

Ich gebe das nur mal zu bedenken.