Rezension: Der Aufstieg der AfD

Patrick Schreiner

Mit der “Alternative für Deutschland” könnte es der bundesrepublikanischen Rechten erstmals gelingen, dauerhaft ein Parteiprojekt rechts von CDU/CSU zu etablieren. In mittlerweile fünf Landesparlamenten sowie im Europaparlament ist sie vertreten, seit den Wahlen in Hamburg und Bremen auch in Westdeutschland. Ein Ende scheint derzeit nicht absehbar. In seinem kleinen Büchlein “Der Aufstieg der AfD” beschreibt der Sozialwissenschaftler Sebastian Friedrich die Ideologie(n) und die Geschichte der Partei. (…)

Damit zeigt die AfD beispielhaft, dass und wie Neoliberalismus mit Rechtskonservatismus und Nationalismus vereinbar ist. Parteichef Lucke scheint in diesem Kontext eine Scharnierfunktion einzunehmen: Einerseits ist er als knallharter Neoliberaler bekannt, dies war er auch schon vor Gründung der Partei. Andererseits nimmt er eine integrative Rolle nach rechts ein, indem er durch entsprechende Äußerungen beispielsweise über den Islam oder über Homosexualität Themen und Anliegen der Rechtsaußen-Parteimitglieder aufgreift und legitimiert. Er ist ohnehin von Beginn an einer der Befürworter der Öffnung der Partei nach rechts gewesen. Sein aktuelles Warnen vor Radikalen in der Partei sollte hierüber nicht hinwegtäuschen.“   –  Zum Artikel:

http://www.annotazioni.de/post/1486

Kommentar GB:

Es geht mir nicht um das hier rezensierte Buch selbst. Sondern es geht mir um implizite und m. E. unreflektierte Positionierungen von Linken.

Patrick Schreiner ist, wie sich im Umkehrschluß ergibt, der Auffassung, eine islamophile und eine homophile sowie anti-nationale Haltung seien politisch linke Positionierungen. Das ist wirklich sehr sonderbar. Denn:

1. Islamophilie, also das Eintreten für eine irrationale arabische Ideologie aus dem 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung soll nach Schreiner eine linke Position sein?

Das ist doch völlig absurd und ein Rückfall hinter die Philosophie der Aufklärung. Siehe hierzu:

Günter Buchholz: „Rationalismus oder Irrationalismus, das ist hier die Frage“

http://cuncti.net/wissenschaft/838-rationalismus-oder-irrationalismus-das-ist-hier-die-frage

Statt sich einmal zu besinnen und zu reflektieren, wird denjenigen, die kritisch zum Zeitgeist stehen, ein diffamierender Vorwurf gemacht.

Aber dieser erweist sich als Ausdruck von Ahnungslosigkeit, Naivität, Mißverständnis und Fehlurteil.

„Linke“ Positionen sind genau dann „wahr“, wenn sie als wahr erwiesen werden können, und sind sind genau dann unwahr, wenn sie nichts weiter sind, als „gefühlt richtige“, dem Zeitgeist entsprechende Meinungen, wie z. B. der Feminismus oder der Relativismus.

https://frankfurter-erklaerung.de/2015/05/mit-objektivitaet-gegen-postmodernen-relativismus-2/

Die heutige postmoderne politische Linke (i. w. S.) ist m. E. in großen Teilen ´auf den (gefühlslinken) Hund´ gekommen und insoweit intellektuell nicht mehr ernst zu nehmen. Ohne eine tragfähige Theorie gibt es keine linke Politik, weil nur eine solche Theorie die Vereinnahmung durch den Zeitgeist mit seinen Beliebigkeiten verhindern kann.

2. Homosexualität, die es bekanntlich schon immer gegeben hat, hat mit der Frage von politisch links oder Mitte oder rechts nicht das geringste zu tun. Dasselbe gilt für Heterosexualität und für Familie. Letztere haben positiv etwas mit der biologischen Reproduktion der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit zu tun. Da das alles evident ist, ist das eigentlich Erstaunliche, mit welcher Hartnäckigkeit diese einfachen Sachverhalte zeitgeistig verkannt werden. Die Reflexion scheint auf breiter Front völlig auszufallen.

3. Eine anti-nationale Haltung soll politisch links sein?

Möglicherweise ja: wir erinnern uns, dass der proletarische Internationalismus bis zum 1. Weltkrieg  innerhalb der europäischen Linken anerkannt war und bejaht wurde. Mit dem Eintreten der SPD für die Kriegskredite (1914) war das leider beendet.

Aus noch neutral-nationalen (patriotischen) werden leicht gesteigert nationalistische Haltungen, und diese steigern sich u. U. bis in ein militärisch-aggressives Verhalten hinein. Der Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts belegt das. Und dieser Sachverhalt begründet eine tiefe und berechtigte Skepsis gegenüber einer Politik, die sich auf die „Nation“ bezieht, zumal der Begriff der Nation als falscher Identifikationsbegriff begriffen werden kann oder muß.

Diese Skepsis kann sich nun steigern bis hin zur „antideutschen“ Haltung, die ihrerseits falsch, weil selbstverleugnend ist:

http://le-bohemien.net/2015/04/21/antideutsche-pseudo-linke-ideologie/

Nur: wenn der Nationalismus ebenso abzulehnen ist wie der Anti-Nationalisimus, was wäre dann die Grundlage für eine rationale Politik?

Was wollen wir?

Aber wer ist hier: „wir“? Wenn wir alle (m. E.) nicht mehr im hinter uns liegenden Zeitalter der Nationen leben, dann kann es nicht die „Nation“ bzw. die national herrschende soziale Klasse sein, sondern dann ist es das postdemokratische Bündnis der europäischen herrschenden Klassen, das die europäische Politik bestimmt, das sich aber mit der US-amerikanischen global herrschenden Klasse ins Benehmen zu setzen genötigt ist, während  die Bevölkerungen passiv und ohne Einfluß bleiben, solange sie keinen aktiven Widerstand leisten, indem sie die Demokratie revitalisieren. Diese postdemokratische Ohnmacht des Souveräns wäre zu überwinden. Und das wäre das erste und wichtigste Ziel der politischen Linken. Die EU wäre zu demokratisieren. Aber: kann sie demokratisiert werden?