“Die Vorstellung von Unabhängigkeit in feministischer Totalität ist so weltfremd wie die Idee vom Einhorn”

by Christian – Alles Evolution

„Die NZZ stellt das „Problem des Feminismus mit dem Erfolg der Frauen“ dar.

Die Ausgangslage sieht man wie folgt:

Weit bis in das 20. Jahrhundert hinein stand sie nur am Herd, die Frau. Von dem Standpunkt aus sieht und versteht man wenig. In der Schweiz darf sie seit 1971 wählen, in Appenzell Innerrhoden seit 1991. Es ist noch kein ganzes Menschenleben her, dass der Frau die Haustür aufgegangen ist. Unter der Last klischeebehafteter Prägungen hinkt sie nun durch die Welt und hat es schwer. Hilfe!

Als Retter der Frau für viele fragwürdig geworden ist der Mann. An seine Stelle ist der Feminismus getreten. Dieser schenkt zuverlässig die Aufmerksamkeit, die Frauen brauchen. Nur geht der Feminismus dabei mitunter weiter, als manche Frau das möchte. Weist sie ihn dann zurück, wird er aggressiv wie ein in der Eitelkeit gekränkter Macho.

Also das Bild der Frau, die alleine zurecht kommen muss und Hilfe braucht. Der Mann an sich ist da nach dieser Auffassung keine Hilfe, wohl aber der Feminismus mit dem Feindbild Mann, das einem hilft, Scheitern zu dürfen, weil man eben unterdrückt wird.“  –

https://allesevolution.wordpress.com/2015/06/25/die-vorstellung-von-unabhangigkeit-in-feministischer-totalitat-ist-so-weltfremd-wie-die-idee-vom-einhorn/

http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/feminismus-das-problem-mit-dem-erfolg-ld.734

Ergänzender Kommentar:

In jener Sonntagsausgabe der Neuen Zürcher gibt es noch einen Print-Artikel, der online nur für Abonnenten zur Verfügung steht.
Darin kommentiert Frau Katharina Bracher die Schliessung der Winterthurer Fachstelle für Gleichstellung, wie in

http://www.landbote.ch/winterthur/Stadtrat-loest-Fachstelle-fuer-Gleichstellung-auf/story/31712384 beschrieben.

Aus dem NZZ-Kommentar zitiert:

„… weil Gleichstellungsbüros in aller Regel zu keinerlei konkreten Massnahmen befugt sind: Sie leisten vorwiegend Öffentlichkeitsarbeit im Auftrag des Staates, der die Gleichstellung in seiner Verfassung garantiert. Ihre Funktion war so lange berechtigt, wie das Problembewusstsein in der Gesellschaft noch nicht vorhanden war. Gleichstellungsthemen gehören heute zum Mainstream. Sie sind omnipräsent in den Medien, Unternehmen haben Diversity-Management-Abteilungen, spezialisierte Berater verdienen ihr Geld damit.“

Soweit beinahe d’accord… Denn deren medialer Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Auch deren „abstrakte Massnahmen“ können gewaltiges Unheil anrichten…

„Gleichstellungsbüros sind ein Relikt aus Zeiten, als die 68er Bewegung Ende der 1980er Jahre auf dem Gipfel der öffentlichen Anerkennung angekommen war. Ihre Vertreterinnen waren euphorisiert von der eigenen Resonanz. Davon zeugen Interviews aus dem Jahr 1988 mit der ersten Leiterin des Eidgenössischen Gleichstellungsbüros. Sogar die Darstellung der Frau in der Werbung wollte sie ändern, ihr ihre verletzte Würde zurückgeben. Nicht nur ein hochgestecktes Ziel, sondern ein aussichtsloser Kampf gegen die Marktlogik, wie wir heute wissen. Vor allem in Anbetracht dessen, dass die Gleichstellungsbüros mit nichts als farbigen Prospekten in die Schlacht ziehen konnten.“

Tja, die Marktlogik… und auch von den Fesseln anderen Logiken haben sich die Gleichstellerinnen weitgehend befreit…

„So gesehen ist die Forderung nach der Abschaffung der Gleichstellungsbüros eine feministische. Denn diese Fachstellen dienen all jenen als Feigenblatt, denen es zu unbequem ist, Fragen der Gleichstellung dort zu diskutieren, wo sie wirklich eine Rolle spielen. Nämlich im eigenen Umfeld. Fragen der Arbeitsorganisation, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Sexismus am Arbeitsplatz, von geschlechterbedingter Lohndiskrepanz müssen dort gelöst werden, wo sie passieren: am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Partnerschaft. Hier kann konkret gehandelt werden. Das Bewusstsein dafür ist vorhanden.“

Naja, der Kommentar beginnt hoffnungsvoll, gleitet aber leider wieder in feministische Stereotypen ab…

Die Forderung nach Abschaffung ist eine humanistische Forderung. Und deshalb ist es richtig und wichtig, „Fragen der Arbeitsorganisation, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Sexismus am Arbeitsplatz, von geschlechterbedingter Lohndiskrepanz dort zu lösen, wo sie passieren“ – aber vorher auch ergebnisoffen zu besprechen. Denn dann würden sich so mancher gefühlte „Sexismus“ und viele empfundene „geschlechterbedingte Lohndiskrepanzen“ als das herausstellen, was sie sind: Leere Worthülsen.

Roland Bauer, 25. Juni 2015