Feminismus und Ressentiment

Von  Christoph Kletzer
Er ist Rechtsphilosoph am King’s College London, wo er den Lehrgang Politics, Philosophy and Law leitet. Davor hat er an der Universität Cambridge und in Wien unterrichtet.

„Freiheit oder Privatheit dürfen auf dem Altar einer vermeintlichen Geschlechtergerechtigkeit geopfert werden. Das ist weit verbreitete Meinung unter vielen Frauenrechtlerinnen. Ein paar Worte zum Unterschied zwischen liberalem und radikalem Feminismus“.

„Die mit leichter Verspätung aufgeflammte Debatte um Ronja von Rönnes Kommentar in der Welt „Warum mich der Feminismus anekelt“

http://www.welt.de/kultur/article139269797/Warum-mich-der-Feminismus-anekelt.html

bietet Anlass, an eine Unterscheidung zu erinnern, die in der Diskussion um den Feminismus gerne übersehen wird. Es ist dies die Unterscheidung zwischen liberalem und radikalem Feminismus.

Dem liberalen Feminismus geht es allein um die universelle Geltung der Grund- und Freiheitsrechte. Damit unterscheidet sich der liberale Feminismus nicht wesentlich von seinem Namensgeber, dem Liberalismus: Männer und Frauen sollten rechtlich und also hoheitlich gleichbehandelt werden. Genauso wie Arbeiter und Grundbesitzer, Burgenländer und Tiroler, Fliegenfischer und Nacktbader.

Ich will mich nicht festlegen, aber ich glaube, dass Fliegenfischer statistisch gesehen mehr verdienen als Nacktbader. Dem liberalen Feminismus, dem Liberalismus ist das egal. Auch wenn es umgekehrt wäre. Geht mich nichts an, sagt der Liberalismus, andere Baustelle. Mit der Errungenschaft des allgemeinen Wahlrechts, der Berufs- und Gewerbefreiheit und der übrigen rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau hat dieser liberale Feminismus also seine Ziele erreicht.“   –

Zum Artikel:

http://derstandard.at/2000018125086/Feminismus-und-Ressentiment