Wie Kemper die AfD sieht

Familie, Schule, Wissenschaft: Der Soziologe Andreas Kemper erklärt im Interview, wo die AfD steht – und wie sie sich Einfluss verschafft.

Die Fragen stellten Amory Burchard und Anja Kühne. – Andreas Kempers Expertise für die Friedrich-Ebert-Stiftung „Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD“ vom März 2014 ist im Internet zu finden (http://library.fes.de/pdf-files/dialog/10641-20140414.pdf). Der zweite Teil soll demnächst veröffentlicht werden.

http://www.tagesspiegel.de/wissen/alternative-fuer-deutschland-afd-arrest-fuer-schueler-zwangsarbeit-fuer-eltern/10795034.html

Kommentar GB:

Ich greife hier nur zwei Denkfehler (1 und 2 ; s. u.) heraus, um das intellektuelle Niveau dieses Interviews anzudeuten:

„Gleichstellungspolitik, wie das Grundgesetz sie verlangt, lehnt die AfD ab

Die AfD attackiert auch die Verpflichtung der Politik, bei ihren Entscheidungen zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern beizutragen („Gendermainstreaming“). Den Auftrag, die Gleichberechtigung tatsächlich durchzusetzen, hat das Grundgesetz dem Staat aber schon vor zwanzig Jahren erteilt. Warum steht das Thema auf der Agenda der AfD jetzt so weit oben?

Die AfD ist grundsätzlich gegen Gleichstellungspolitik. Das entspricht der Einstellung ihrer Parteimitglieder. Dass sie sich vor allem gegen Gendermainstreaming wenden, hat damit zu tun, dass die Frauen- und die Homosexuellen-Bewegung inzwischen auch staatlicherseits ernst genommen wird.

Die AfD in Sachsen möchte die Geschlechterforschung („Gender studies“) an den Hochschulen abschaffen. Strebt die AfD auch in der Stammzellforschung Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit an?

Ja. Die Förderung embryonaler Stammzellenforschung gehöre nicht in den Verantwortungsbereich der EU, sagt die AfD in ihrem Europawahlprogramm.“  –

1. Kemper versteht den begrifflichen Unterschied von Gleichberechtigung und Gleichstellung nicht. Die „tatsächliche Durchsetzung von Gleichberechtigung“ ist und bleibt Gleichberechtigung – und eben nicht Gleichstellung. Es gibt im Grundgesetz keinen Gleichstellungsauftrag.

2. „Gender Studies“ haben nicht das geringste mit naturwissenschaftlicher Forschung zu tun, daher auch nicht mit Stammzellforschung. „Gender“ ist begrifflich ein reiner Soziologismus, das wenigstens sollte der Soziologe Kemper doch eigentlich wissen. Eigentlich, nun ja…