Deutung statt Erklärung

Von Günter Buchholz

„Die Frauenforschung, die zusätzlich aber irreführend als Geschlechterforschung bezeichnet wird, problematisiert das Frau-Sein. Denn es gibt eine Minderheit von Frauen, die ihr Frau-Sein nicht zu akzeptieren vermögen.

Geschlechter nhux1946

Man könnte sie deswegen die Nicht-Frauen-Frauen nennen. Deren selbstbezogenes Unbehagen an der eigenen Existenz wird nun von ihnen selbst untersucht und gedeutet – aber nicht erklärt, und die Deutung wird dann auf die Gesellschaft projiziert. Die Basiskategorie dieses Verleugnungs-, Deutungs- und Projektionsprozesses heißt „gender“.“

Zum Artikel:

http://cuncti.net/geschlechterdebatte/852-deutung-statt-erklaerung

siehe hierzu (Auszug):

„Das Gender-Mainstreaming als EU-Richtlinie, die weit mehr umfasst als die Gleichstellung von Männern und Frauen, ist von allen Mitgliedstaaten für verbindlich erklärt und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt schon 1999 vom Bundeskabinett als Leitprinzip der eigenen Politik anerkannt worden. „Gender“ meint die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechterrollen und stammt aus der Sexualforschung. Zunächst sollte es das Phänomen der Transsexualität sprachlich erfassen und wurde dann von der Homosexuellenbewegung aufgegriffen.

223 Professuren in 30 Fachgebieten

Sachlich über Gender-Theorien zu streiten, scheint ähnlich unmöglich wie der nüchterne Diskurs über die Inklusion. Anhänger der Gender-Theorie nehmen an, dass sich das biologische Geschlecht bis zur Belanglosigkeit dekonstruieren lässt. Geschlechtsunterscheidungen wären dann nur die Ergebnisse sozialer Prägung, in den Augen der Gender-Theoretiker geradezu gewaltsame Zuschreibungen von Identität, häufig unter dem Diktat der Heterosexualität. Judith Butler, eine der amerikanischen Vordenker der Gender-Theorie, spricht deshalb konsequent von einer Beseitigung der Identität, von einem anderen Menschen ohne traditionelle, biologisch determinierte Geschlechtsrollen, den es schon früh, möglichst in der frühkindlichen Phase zu entwickeln gilt. Ziel einer solchen Erziehung wäre, dass jeder Einzelne seine geschlechtliche Identität am Ende aus einer Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten herauszufinden vermag. Die Schule spielt dabei aus naheliegenden Gründen eine zentrale Rolle.

Dass eine derartige Theorie, deren Grundlage ein Glaubenssatz ist – wie ihre eigenen Verfechter unumwunden zugeben – überhaupt Einzug in die Papiere der EU-Kommission und in sämtliche öffentliche Institutionen, aber auch in die Hochschulen halten konnte, ist bemerkenswert. Inzwischen verteilen sich 223 Professuren mit einem Teilschwerpunkt oder einem vollen Auftrag für Genderforschung über ganze dreißig Fachgebiete. Wenigstens im Medizinstudium erschiene es vernünftig, die viel zu lange vernachlässigten geschlechterspezifischen Inhalte zu integrieren. Doch wer so argumentiert, würde sofort des Biologismus geziehen.

Es ist kein Zufall, dass die weitaus größte Zahl der Professuren für Genderforschung von Frauen besetzt ist, denen selbst Fachkollegen entgegenhalten, es fehle ihnen an professioneller Distanz zu ihrem Forschungsgegenstand. Die Identifikation mit der eigenen Forschungsfrage, womöglich noch biographisch motiviert, hat den wissenschaftlichen Diskurs allerdings noch nie versachlicht, geschweige denn für andere Disziplinen anschlussfähig gemacht.“  (Hervorhebungen: GB)

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gender-mainstreaming-das-gute-recht-der-eltern-13258831.html

http://cuncti.net/wissenschaft/510-braucht-unsere-gesellschaft-gender-studies

und

https://frankfurter-erklaerung.de/2014/11/pornografisierung-der-schule/