Gender Mainstreaming und die Folgen

Von: Beatrix von Storch, MdEP
www.beatrixvonstorch.de

„Im März nahm das EU-Parlament erneut eine Entschließung zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU an. Dieser Parlamentstext ist eine weitere inkohärente Aneinanderreihung von menschenverachtenden, sexistischen, bevormundenden und ignoranten Ungeheuerlichkeiten vor dem Hintergrund der Gender-Ideologie.

Diese Ideologie besagt, dass das biologische Geschlecht „Mann“ und „Frau“ durch ein „soziales Geschlecht“ künstlich ersetzt werden kann: Mann und Frau sind nicht unterschiedlich und können sich nicht ergänzen, weil es Mann/männlich und Frau/weiblich nämlich gar nicht gibt. Der männliche und weibliche Körper und seine konkreten Geschlechtsmerkmale, also die angeborene natürliche Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, sind nebensächlich. Präzise männliche und weibliche Körpermerkmale dürfen die Wahlfreiheit nicht beeinträchtigen. Der Gender-Mensch wählt und tauscht seine sexuellen Orientierungen beliebig aus. Bei Facebook können Sie bereits zwischen 60 sexuellen Orientierungen auswählen. Die institutionelle Umsetzung der Gender-Ideologie heißt Gender Mainstreaming. Auch dieser Begriff ist unübersetzbar, weil künstlich. Oder kennen Sie ein deutsches Wort für „Gender Mainstreaming“? Niemand kann ihn präzise beschreiben. Gemeinhin wird er als Äquivalent zu „Chancengleichheit“ wahrgenommen. Das ist aber eine subtile Manipulation. Das Grundprinzip der Gleichbehandlung („Recht auf gleiche Chancen für Männer und für Frauen“) ist nämlich absolut berechtigt. „Gender Mainstreaming“ hingegen korrumpiert den Begriff der Chancengleichheit, weil es vielmehr um Gleichstellung geht: Männer und Frauen sind unabhängig von ihrem biologischen Körper austauschbar. Gabriele Kuby hat in ihrem sehr lesenswerten Buch „Die globale sexuelle Revolution – Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit“ (FE-Medien) alles Wichtige über die Gender-Ideologie zusammengetragen. Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre aller Abiturklassen werden.

Seit der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 bekennen sich Regierungen und internationale Organisationen weltweit zum „Gender Mainstreaming“. Die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Schröder nahm die Novellierung der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien zum Anlass, die Gender-Ideologie mittels Kabinettbeschluss am 26. Juli 2000 zur bundesdeutschen Rechtsnorm zu erheben. Durch die Hintertür, ohne Aussprache oder einen Beschluss des Bundestags. Die Institutionen der EU fördern die Gender-Ideologie seit 1996. Ihre Blütezeit erreichte die Gender-Ideologie in Brüssel unter der Kommissions-Präsidentschaft von Manuel Barroso (von der Europäischen Volkspartei, zu der auch CDU/CSU gehören). Dabei ging es um die handfeste Umverteilung von Steuergeldern. Zwischen 2007 und 2013 wurden allein 3 Milliarden € aus dem Europäischen Sozialfonds für Gender Mainstreaming ausgegeben. Im Jahr 2014 wurden 21 Mio EUR für Gender-Politik bereitgestellt. Ein extra geschaffenes „Europäisches Genderinstitut“ verfügt zusätzlich über 7 Mio EUR Eigenmittel im Jahr, um die Gender-Ideologie im öffentlichen Leben zu verankern. Außerdem übernimmt die EU-Kommission 80% der Betriebsausgaben von Lobbygruppen wie der Europäischen Frauenlobby oder ILGA Europa – jeweils 1 Mio. EUR p.a. nur für Betriebsausgaben! Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Diese Ausgaben waren bisher möglich, weil die Vertreter der Altparteien in den EU-Institutionen bei den Haushaltsverhandlungen dies alles kommentarlos durchwinkten. Daher fühlen sich die Institutionen der EU heute unangreifbar. Zwar musste die EU-Kommission auf wiederholte parlamentarische Anfrage zugeben, dass der Begriff „Gender“ nirgendwo im EU-Recht vorkommt. Gleichwohl organisierte die italienische Ratspräsidentschaft kurz darauf teure Tagesveranstaltungen zu „Gender-Quoten in Aufsichtsräten“ oder „Die gendergerechte Stadt“. Anschließend weigerte sie sich, auf meine parlamentarischen Anfragen (P 006401-14 und E-009042-14) zu antworten: Welche wissenschaftliche Definition des Wortes „Gender“ und welche Rechtsgrundlage legt die Ratspräsidentschaft für ihre Gender-Veranstaltungen zugrunde? Wer zahlt was?

Anhand der neuesten Entschließung des EU-Parlaments können Sie selbst die Auswirkungen der Gender-Ideologie nachvollziehen. Das EU-Parlament fordert, dass soziale Medien keinen sexistischen Sprachgebrauch pflegen dürfen. Auf diese Weise verbietet die EU-Sprachpolizei Komplimente zwischen Mann und Frau als Ausdruck von geschlechterstereotypem Sexismus. Das EP bevormundet Männer und Frauen und fordert, berufliche, familiäre und soziale Verpflichtungen ausgewogener aufzuteilen. Auf diese Weise schreibt die EU vor, wer wann zu Hause die Wäsche aufhängt. Diese Entschließung ist sexistisch, weil das Europäische Parlament den totalitären Feminismus anheizt, alle (Ehe-)Männer pauschal als Gewalttäter und Unterdrücker diffamiert, und überdies Frauen gegen Männer durch die Überzeichnung „sexueller Stereotype“ gegeneinander ausspielt. Und das EP ist in seiner Anwendung der Gender-Ideologie menschenverachtend: Europas Volksvertreter beschieden nämlich, dass durch die traditionellen Geschlechterrollen die Entfaltung der Frau eingeschränkt wird und sie deshalb ihr Potenzial als Mensch nicht ausschöpfen kann. Die „traditionelle Geschlechterrolle der Frau“ ist bekanntlich ihre Rolle als Mutter und als Familienmensch. Für Europas Volksvertreter steht somit fest: Mütter und Familienmenschen haben „kein Potenzial als Mensch“! Einmal mehr bekräftigen die Europa-Abgeordneten, dass Frauen nur als Arbeiterinnen auf dem formalisierten Arbeitsmarkt etwas Wert sind. Mütter und Großmütter hingegen nicht. Sie müssen vor Männern gar geschützt werden. Also fordert das EP folgerichtig die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten auf, besonders Männer hinsichtlich ihrer Sexualität und Fortpflanzung zu sensibilisieren, und Abtreibung als Menschenrecht für alle bedingungslos zugänglich zu machen. Daran erkennen Sie die menschenverachtende Auswirkung der institutionalisierten Gender-Ideologie.

Diese Entwicklung überrascht nicht. Die politische Steuerung von Werten und Normen gehört seit ihrer Gründung 1957 zu den Querschnittsaufgaben der EU. Die immer tiefere Integration mit mehr Macht für Brüssel, die allen Altparteien so wichtig ist, führt zu mehr EU-Entscheidungen über ethische und moralische Fragen. Nie zuvor wurde höchst privates (die menschliche Sexualität) so öffentlich (im Plenarsaal des Europäischen Parlaments) diskutiert. „Gender Mainstreaming“ ist nicht „Chancengleichheit für Männer und für Frauen“, sondern „Aufhebung der Unterschiede zwischen Mann und Frau“. Jetzt gewinnt diese Entwicklung an Kontur und ruft vermehrt Widerstand hervor. Immer häufiger fragen sich die Menschen nämlich, warum die Altparteien solche Entschließungen widerstandslos durchwinken. Das muss man allerdings perspektivisch betrachten. Für die rot-grünen Landesregierungen beginnt die Umerziehung der Gesellschaft bereits im Kindergarten. Deswegen müssen wir alle den Widerstand gegen die Lehrpläne der Sexualerziehung ernst nehmen, damit die Gender-Ideologie nicht bereits in der Grundschule verankert wird.“

Quelle:

http://www.polifakt.de/gender-mainstreaming-und-die-folgen/

sowie:

http://www.polifakt.de/gender-strategie-fuer-europa-das-eu-parlament-irrlichtert/