Linkshänder

Links ist da, wo der Daumen rechts ist!

Von Andreas Frey

„Wer alles mit links macht, kämpft nach wie vor mit dem Vorurteil, er sei ein geborener Tolpatsch. Oder Schlimmeres. Ist er das wirklich? Eine Selbstbetrachtung zum heutigen Tag der Linkshänder.“   (…)

Wenn eine Seite bevorzugt wird, heißt das im Fachjargon Lateralisation. Da die Nervenbahnen, die vom Gehirn in den Körper ziehen, über Kreuz verlaufen, übernimmt eine Hirnhemisphäre die jeweils entgegengesetzte Körperhälfte. Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite – und umgekehrt. Als Linkshänder ist mir, vereinfacht ausgedrückt, die rechte Hirnhälfte näher. „Diese einseitige zerebrale Steuerung ist vermutlich vorteilhaft“, erklärt mir der Neurologe Gutwinski. Sie vermindere Duplikationen neuronaler Funktionen lasse Prozesse schneller und effizienter ablaufen. Und das äußert sich nicht nur im Handgebrauch. Wir präferieren jeweils einen Fuß, ein Auge, ein Ohr. Der Bochumer Psychologe Onur Güntürkün beobachtete außerdem, dass, wenn sich zwei Menschen küssen, sie den Kopf meist nach rechts kippen.

Die Lateralisation scheint die Menschheit von Anfang begleitet zu haben. Vor mehr als zwei Millionen Jahren bevorzugte schon der Australopithecus eine Körperseite, sehr wahrscheinlich die rechte. Das lassen zumindest die Überreste verspeister Beutetiere annehmen, die er bevorzugt mit rechts bearbeitete. Seine frühen Steinwerkzeuge schuf Homo sapiens überwiegend für Rechtshänder, und in spanischen und französischen Höhlen überdauerten mehr Malereien, die linke Hände zeigen, weil sie vermutlich mit rechts ausgeführt wurden.

Allerdings neigt nicht nur der Mensch zu einer bestimmten Seite. Die meisten Tiere sind ebenfalls lateral geprägt, wie Untersuchungen immer wieder zeigen: Wale kauen lieber mit rechts, viele Vögel suchen rechtslastig nach Würmern. Erst kürzlich sorgte eine im Fachjournal „Current Biology“ veröffentlichte Studie für Aufsehen. Demnach sind wildlebende Kängurus in Australien und Tasmanien Lefties, vor allem Vertreter der Roten und Grauen Riesenkängurus.“  (…)

Zum Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/mensch-gene/linkshaender-links-ist-da-wo-der-daumen-rechts-ist-13740816.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Kommentar GB:

Mit Blick auf die Organisationstheorie ist hier auf die die Arbeitsproduktivität steigernde Arbeitsteilung (Spezialisierung) in Verbindung mit der  ergänzenden Kooperation (Komplementarität) hinzuweisen:

Spezialisierung und komplementäre Kooperation als zwei Seiten derselben Medaille.

Es ist m. E. sehr wahrscheinlich, dass diese Organisationsprinzipien auf naturwüchsige Art und Weise vermutlich bereits bei der Selbstorganisation der frühen Gruppen- oder Sippenzusammenhänge der menschlichen Gattung wirksam geworden sind.

Selbst die biologisch gegebene geschlechtliche Differenzierung in Männer und Frauen dürfte wahrscheinlich von diesen Prinzipien geprägt worden sein, und ebenso die gesamte gemeinsame Lebensweise der Gattung in der Geschichte.