Wie die Friedrich Ebert Stiftung einmal Menschen auf den Index setzte

Von: Schoppe

(…) Das Problem der Kritiken an Gender-Positionen ist nicht, dass sie auch von rechtsaußen geäußert werden – sondern dass diese Kritik in Institutionen, die sich selbst als „links“ verstehen, nicht geäußert wird. (…)

„Der Verweis darauf, Nazis zu Gegnern zu haben, ersetzt dabei allerdings eine schlüssige Begründung der eigenen Position. Was denn beispielweise an ihr „emanzipatorisch“ sei, erklärt Blum nirgends. Damit aber fehlt dem Text etwas Wichtiges – denn schließlich werden große Summen an öffentlichen Mitteln für die Förderung der Gender Studies an den Universitäten aufgebracht, die Politik des Gender Mainstreaming ist europaweit etabliert, die Bildungspläne rot-grün regierter Länder machen deutliche Vorgaben für Lehrpläne und Schulbuchverlage.Wer so große Mittel aufbringt und so das Leben vieler beeinflusst – der müsste dafür bessere Begründungen liefern können als den schlichten Hinweis, dass dies schon deswegen gut sein müsse, weil es der NPD nicht gefalle. Die nämlich spricht sich auf ihrer Homepage (die ich hier gleichwohl nicht verlinke) beispielweise auch für den Umweltschutz, für eine „Verantwortung vor der Zukunft“ und gegen eine „profitmaximierende Verwertung von Raum, Ressourcen und Lebewesen“ aus. Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, dass dadurch Umweltschutz zu einer schlechten und Verantwortungslosigkeit zu einer guten Sache würde.Das Problem der Kritiken an Gender-Positionen ist nicht, dass sie auch von rechtsaußen geäußert werden – sondern dass diese Kritik in Institutionen, die sich selbst als „links“ verstehen, nicht geäußert wird. Dadurch erst finden sich beispielweise Eltern, die schlicht durch die Bildungspläne verunsichert sind, Seite an Seite mit Homosexuellenfeinden oder Rechtsaußen-Demagogen, ohne in der bürgerlichen Linken Ansprechpartner zu haben.Dabei gibt es viele gute Gründe für Kritik, fern von rechtsradikalen Positionen. Nach dem baden-württembergischen Bildungsplan ist der „Gesichtspunkt der Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ein übergreifendes Leitprinzip und muss bei jedem größeren Themenbereich in der Schule berücksichtigt werden. Das Land Niedersachsen übernimmt das und legt fest, dass die „angemessene Berücksichtigung der Vielfalt sexueller Identitäten (…) auch zum Kriterium für die Genehmigung von Schulbüchern“ wird.Das schließt an die europaweit etablierte Politik des Gender Mainstreaming an, nach der „bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen“ seien.

Verständlich wird diese umfassende Konzentration auf sexuelle Identitäten und Orientierungen erst angesichts der Überzeugung, dass die Kategorie Gender eine „omnirelevante Kategorie“ sei – dass die soziale Konstruktion von Geschlecht also für die Beurteilung jedes beliebigen anderen Themas von Bedeutung wäre.

Nun  ist Omnirelevanz eigentlich ein religiöses Kriterium, nämlich ein Merkmal von Göttlichkeit. Die Überzeugung, dass soziale Geschlechter-Konstruktionen ebenfalls in diesem Sinn verstanden werden müssten, ist weithin nicht akzeptiert, sie ist den meisten Menschen nicht einmal bekannt. Wenn eine Politik, gar eine Schulpolitik gleichwohl unerklärt auf dieser Überzeugung aufbaut, sind Irritationen und Proteste  nur folgerichtig und erwartbar.

Warum sollten beispielsweise Benachteiligungen von Homosexuellen oder Transsexuellen in allen Themenbereichen zur Sprache kommen, viele andere soziale Benachteiligungen aber unerwähnt bleiben? Viele Kinder stehen an Schulen beispielwiese erheblich unter Druck, weil sie die Kleidung tragen, die von anderen nicht akzeptiert wird. Oder: Was ist mit Kindern, die unter der Trennung von ihren Vätern leiden – von denen gibt es oft mehrere in einer Klasse?

So erwecken die Bildungspläne den Eindruck, dass hier Landesregierungen willkürlich und nach eigenen politischen Vorlieben unterscheiden, welche Gruppen von Menschen Anspruch auf Schutz vor Benachteiligungen haben und welche nicht. Mehr noch, sie unterscheiden offenbar willkürlich und nach eigenen Vorlieben, welche Kinder es wert sind, bei Schwierigkeiten gestärkt zu werden – und welche Kinder es nicht wert sind.

Auch hier ist das Problem weniger, dass gegen diese Politik von rechts aus protestiert wird – sondern dass der linke Protest unterbleibt.“  (…)

Zum Artikel:

http://man-tau.com/2015/08/21/wie-die-friedrich-ebert-stiftung-einmal-menschen-auf-den-index-setzte/

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