Papst Franziskus stellt sich auf die Seite von Kim Davis

„Es sei ein Menschenrecht, als Beamter einer Plicht nicht nachzukommen, wenn sie gegen das eigene Gewissen verstößt, meint der Papst.

Auf dem Rückweg von seinem Besuch in den USA und auf Kuba hat sich Papst Franziskus am Montag auf die Seite der umstrittenen amerikanischen Standesbeamtin Kim Davis gestellt. Auf dem Flug nach Rom wurde er laut Reuters von einem Reporter gefragt, ob er Beamte unterstütze, die sich weigern, aufgrund ihres Gewissens Gesetze auszuführen, etwa Trauscheine an gleichgeschlechtliche Paare auszugeben.

„Eine Verweigerung aufgrund des Gewissens muss in jeder rechtlichen Struktur möglich sein, denn sie ist ein Recht“, antwortete der Papst. „Ich habe nicht alle Fälle im Sinn, in denen es um Gewissensentscheidungen geht, aber ja, ich kann sagen, dass eine Verweigerung aufgrund des Gewissens ein Recht ist, das Teil jedes Menschenrechts ist. Und wenn jemand einem anderen nicht erlaubt, ein Verweigerer aufgrund des Gewissens zu sein, leugnet er dessen Recht.“

Würde man dieses Recht nicht anerkennen, lande man in einer Situation, in der das Recht des einen mehr zähle als das des anderen, so der Papst.

Vermeintliche Bedrohung der Religionsfreiheit

Der Fall von Kim Davis sorgt seit Wochen für Schlagzeilen in den USA: Mit Verweis auf ihren Glauben weigert sich die Standesbeamtin des Bezirks Rowan County in Kentucky, Trauscheine an gleichgeschlechtliche Paare auszustellen. Während ihre Unterstützer, darunter republikanische Präsidentschaftskandidaten, die Religionsfreiheit bedroht sehen, verweisen andere darauf, dass diese bereits dadurch gewährt sei, dass sie jederzeit ihren Job aufgeben könne.

Als gewählte Beamtin kann Davis hingegen nicht einfach entlassen oder versetzt werden. Der Streit sei zudem auch deshalb eskaliert, weil sie auch ihre Mitarbeiter angewiesen hatte, ebenfalls keine Ehescheine auszugeben. Das hatte letztlich sogar dazu geführt, dass sie ein Bundesrichter wegen Missachtung seiner Urteile für einige Tage in Beugehaft steckte (queer.de berichtete). Danach erlaubte Davis den Mitarbeitern die Ausstellung der Scheine – allerdings in veränderter Form. Statt der vom Gesetz geforderten Unterschrift von Davis enthalten sie einen Verweis, sie seien „gemäß einer gerichtlichen Anordnung“ ausgestellt. Gegen diese Praxis laufen erneut Klagen (queer.de berichtete).

Kampf für das Naturrecht

Papst Franziskus hatte bei seinem US-Besuch zunächst allgemein über Religionsfreiheit gesprochen, war aber nicht konkret auf den Fall Davis eingegangen. Auch hatte er klassische Reizthemen der katholischen Kirche wie Abtreibung und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare zunächst nur gestreift und für eine angebliche Bedrohung der Familie stattdessen Faktoren wie eine Perspektivlosigkeit der Jugend betont (queer.de berichtete).

Bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung am Freitag hatte der Papst allerdings davor gewarnt, „eine ideologische Kolonialisierung zu fördern, indem man abnorme Lebensmodelle und -stile durchsetzt, die der Identität der Völker fremd und letztlich unverantwortlich sind“ (queer.de berichtete). Der beim Gipfel beschlossene Kampf für eine nachhaltige Entwicklung verlange „die Anerkennung eines Sittengesetzes, das in die menschliche Natur selbst eingeschrieben ist“. Mit einer vermeintlichen Naturrechtslehre hatte vor allem Franziskus‘ Vorgänger Benedikt XVI. gegen LGBT-Rechte angekämpft.“

Quelle:

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24697

http://www.spiegel.de/panorama/kim-davis-papst-empfing-offenbar-homophobe-standesbeamtin-a-1055386.html

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24710

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24708

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24718

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24711

Kommentar GB:

Das Toleranzblatt kommentiert sich selbst am besten.