Über Kinder und Karriere

Von Harald Martenstein

„Meine Chefin bat mich darum, ein Interview zu machen. Ich hätte dafür nach London fliegen müssen. Inklusive der Vorbereitung und der Schreibarbeit wären drei bis vier Tage draufgegangen. Eher vier. Ich habe gesagt, dass ich mal schaue, ob die betreffende Person sich überhaupt interviewen lässt. Ich hatte Lust auf das Interview, außerdem war mir klar, dass ich in diesem Fall der bestmögliche Interviewer bin. Manche Leute sagen, ich sei arrogant. Das stimmt nicht. Ich bin einfach nur sehr, sehr gut. Das ist von Harry Rowohlt. Ich werde niemals auch nur halb so gut sein wie er.“ (…)

„Kürzlich war ich drei oder vier Tage mit dem kleinen Sohn allein, er ist 13 Monate alt. Es war schön, aber es war auch anstrengender als alles, was der Journalismus an Herausforderungen bereithält. Jede Person, die sich täglich um ein Kleinkind kümmert, lacht, wenn sie diese Sätze liest. Klar, es ist hart, auf eine schöne Weise hart, und es ist das Gegenteil von allem, was bei uns als hip, erstrebenswert und vorbildlich gilt – Autonomie, Selbstverwirklichung, Karriere, Mode, Uhren und Schmuck, das kannst du alles für ein paar Jahre vergessen. Man soll Kinder in die Welt setzen, danach soll man diese Aufgabe möglichst schnell an bezahltes Personal delegieren, denn der Job ist natürlich das Wichtigste. Und wenn du was über Liebe erzählst, wenn du das Loblied der Mütter und Väter singst, dann bist du ein gottverdammter Reaktionär, wie ich einer bin. In Berlin gibt es jedes Jahr jede Menge Paraden, Techno, Multikulti, Queer, Hanf, aber eine Eltern-und-Kinder-Parade gibt es nicht, weil die nämlich keine Zeit dazu haben. Ups. Jetzt habe ich womöglich doch wieder etwas politisch Unkorrektes gesagt.“    –    (Hervorhebungen: GB)

Zum Artikel:

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/35/harald-martenstein-kinder-karriere-familie-zeit

und ein aktuelles Beispiel:

https://frankfurter-erklaerung.de/2015/09/einladung-zum-3-charity-dinner/

Kommentar GB:

Widersprüche: Wer – abgesehen natürlich von den selbst unmittelbarbar Betroffenen, denen es um ihre persönlichen Interessen geht – betreibt eigentlich warum diese homophile Politik? Was versprechen sich Parteien davon? Mehrheiten? Wohl kaum. Und warum wird nicht über Geburtenziffern und über Familien- und Bevölkerungspolitik gesprochen, während zugleich sehr vage über sogenannte demographische Probleme lamentiert wird, während tatsächlich die Überalterung der Gesellschaft, also die zu niedrige Geburtenziffer gemeint ist?

Warum also läßt es unsere Gesellschaft zu, dass bei uns der Schwanz mit dem Hund wedelt?