Die Prinzessinnen auf der Erbse

Wenn Frauen brennen  – Treiben sich Frauen gegenseitig in die Erschöpfung?
von Birgit Schmid

(…) „Als ob der eigene Erfolg das politische Programm überflüssig machte, wird der Erfolg nun problematisiert.

Oder eine Ausrichtung des Feminismus: der Leistungsfeminismus. Das Wort fiel letzte Woche, eingeführt von Ines Kappert, einer ehemaligen «TAZ»-Journalistin, die seit kurzem das Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie leitet. Ihr Punkt ist der: Der Leistungsfeminismus vermittle in der Verkörperung von Frauen, die den Aufstieg schaffen und Karriere machen, dass Schwäche und Faulheit schlecht seien. Haben sie einmal bewiesen, dass sie genau so viel zu leisten fähig sind wie Männer, eine Firma führen, ein Land regieren, arbeiten sie durch und vergessen, zu leben, zu geniessen, auch fehlbar zu sein.

So wie das die heutige Wirtschaftswelt mit ihrem Takt und ihrem Puls halt vorgibt. Willkommen.“ (…)

zum Artikel:

http://www.nzz.ch/lebensart/gesellschaft/wenn-frauen-brennen-1.18634396

http://www.danisch.de/blog/2015/10/24/leistungsfeminismus/

„Daß es recht komfortabel ist, sich quotenpolitisch in Führungspositionen hieven zu lassen, das kann wirklich nicht bestritten werden. Denn mit der Quoten-Seilbahn kommt man natürlich viel leichter und schneller nach oben als zu Fuß. Und man muß sich dabei überhaupt nicht anstrengen und sich um nichts bemühen. Nur ein billiges Ticket ist nötig, das die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht bestätigt, und schon geht es aufwärts, mit schöner Aussicht überdies. Dadurch allerdings wird zugleich nichts gelernt, nichts von all dem, was die Bergsteigern bei ihrem schrittweisen Aufstieg alles lernen. Was aber lernen Sie dabei, jenseits irgendwelcher Master-Abschlüsse? Zum Beispiel lernen Sie eine Menge über ihre Kräfte und Fähigkeiten, sich im Gebirge zu bewegen, sie lernen etwas über den wechselnden Untergrund, den Boden, sie lernen Umsicht, Übersicht und Voraussicht, sie lernen, sich mit und ohne Hilfsmittel richtig zu orientieren, zugleich die Wetterrisiken einzuschätzen und Vorsorge zu treffen, und sie lernen, im Team erfolgreich zu kooperieren. Dazu braucht es präzise Kommunikation, Vertrauen und die Erfahrung, das man sich aufeinander verlassen kann, weil jeder weiß, wozu der jeweils andere willens, fähig und in der Lage ist.

Und so machen sie in der Praxis die Erfahrung, was eine Leistung ist, und was eben keine Leistung ist.

Das alles kommt den Seilbahnfahrerinnen im Gipfelrestaurant erst gar nicht in den Blick, wenn sie sich mühsam an ihre Master-Studiengänge erinnern und eine kopierte Präsentation nutzen, um den Bergsteigern zu erklären, was Geschlechtergerechtigkeit sei und weshalb sie, die Seilbahnfahrerinnen, keinesfalls auf sie verzichten können. Und das sehen die Bergsteiger dann sogar ein. Denn ohne Quotenseilbahn wären die Seilbahnfahrerinnen, denen die schrittweise Bewegung viel zu mühsam und schwierig erschien, selbstverständlich immer noch an der Talstation. Es sei denn, sie nähmen es auf sich, zu Fuß zu gehen. Solche Fälle gibt es dann und wann, aber diese Bergsteigerinnen verachten die Seilbahnfahrerinnen, auch wenn sie das meist nicht laut sagen. Und: haben sie nicht allen Grund dazu, haben sie nicht Recht damit?

Denn sie machen in der Praxis die Erfahrung, was eine Leistung ist, und was eben keine Leistung ist.“ (Günter Buchholz)

https://frankfurter-erklaerung.de/2015/10/frauenquote-dax-konzerne-haben-keine-lust-auf-quote/