Feminismus und Liebe

von Bernhard Lassahn  –  Auszug:

„Wir verstehen den Feminismus nicht, wenn wir uns bei Wikipedia informieren und da erfahren, dass er aus vielfältigen Strömungen bestehe, die für die Rechte von Frauen einträten. Entscheidend ist nicht, wofür eine Bewegung steht, sondern wogegen sie antritt.

Das hat Hedwig Dohm, die bedeutende Vordenkerin des Feminismus, in ihrem Buch Die Antifeministen schon im Jahre 1901 verraten. Als die „gefährlichsten“ Gegner des Feminismus – so sagt sie es selbst – sieht sie überraschenderweise nicht Männer, sondern Frauen an. Und zwar diejenigen, die mit einem Mann oder sogar mit eigenen Kindern glücklich werden wollen. Diese Lebensmodelle sind ihre Feindbilder. Diese Gegnerschaft sorgt für die eigentliche Antriebskraft des Feminismus, für die „Frauen-Power“.

Es zeigt sich überall. Welches Programm der Frauenpolitik man auch gegen das Licht hält – man erkennt immer dasselbe Wasserzeichen: die Feindschaft gegen Mann und Mutterschaft. Sonstige Forderungen sind lediglich Etappenziele, manchmal nur modische Saisonartikel. Die lieblose, negativistische, letztlich nihilistische Gegnerschaft aber dauert an und bildet den roten Faden. Man möchte sagen: den lila Faden.

Die Absagen an Mann und Mutterschaft gehören zusammen. Mit dem Nein zur Penetration wird beides erreicht: Der Mann wird abgewiesen, und Nachwuchs kommt auf diese Art auch nicht zustande. Hedwig Dohm hatte zwar fünf Kinder, sie sah aber, wie sie in ihrem Buch Die Mütter darlegte, Mutterliebe als lediglich anerzogen an und fand, dass Kinder besser weggegeben werden sollten, damit die Frau berufstätig sein kann.

Erst wenn aus dieser Einstellung ein blinder Fleck wird und eine Frau alles, was mit Kindern zu tun hat, nicht nur kleinredet, sondern gänzlich wegdenkt, erst dann kommt sie auf das schmale Brett – wie man im Norden sagt –, dass Männer und Frauen gleich wären. Hier liegt der Ursprung der feministischen Grundüberzeugung, dass es höchstens einen „kleinen Unterschied“ gäbe, den man genauso gut vernachlässigen könnte.

Wir leben keinesfalls in post-feministischen Zeiten. Der glühende Kern ist noch heißer geworden und der Ton noch schriller. Der Feminismus versteht sich immer noch – und zuallererst – als Kampfansage an die Liebe, wie Sulamith Firestone, die als eine der prominentesten und einflussreichsten Theoretikerinnen gelobt wird, im Jahre 1975 in ihrem „Klassiker“ Frauenbefreiung und sexuelle Revolution schreibt: „Die Liebe ist – wahrscheinlich mehr noch als das Kinderkriegen – der Schlüssel zur Unterdrückung der Frauen heute.““

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