Frankfurter Buchmesse

aus Sicht einer ebenso kleinen wie radikalen heterophoben Minderheit:

„Birgit Kelle, Hedwig von Beverfoerde und Akif Pirinçci treten am Stand der „Jungen Freiheit“ auf.

Ihr Thema ist der „Widerstand“ gegen den „Gender-Irrsinn“.“

Von Norbert Blech

„Die Frankfurter Buchmesse befasst sich in diesem Jahr auch mit den aktuellen homophoben und anti-emanzipatorischen Bewegungen, allerdings aus der falschen Perspektive. Ein Vortrag steht gar unter dem Titel „Gender Mainstreaming – den Widerstand organisieren“.“

„Halten wird ihn Hedwig von Beverfoerde, die Organisatorin der „Demos für alle“, am Samstag am Stand der rechten „Jungen Freiheit“. Der letzte Protest der Bewegung hatte erst am Sonntag in Stuttgart stattgefunden, auf ihm ging es gegen den Bildungsplan im Ländle ebenso wie gegen die Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare (queer.de berichtete). Quasi als Gegenentwurf wurde zudem ein junger Schwuler präsentiert, der seine Homosexualität nicht auslebt – er gehört zur „Bruderschaft des Weges“ aus dem Umfeld der Homo-„Heiler“-Organisation „Wüstenstrom“.

Von Beverfoerde hatte bereits vor einigen Wochen beim Kongress „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken über den Widerstand gegen LGBT-Rechte referiert (queer.de berichtete, der Termin machte vor allem durch ein Todesstrafenzitat des Bischofs Vitus Huonder Schlagzeilen). Man habe vom „weltweit finanzstarken Unterstützernetzwerk“ der „Homo- und Genderbewegung“ gelernt, meinte sie damals, kämpfe etwa um eine mediale Deutungshoheit und platziere Partner in der Politik. Beim Bildungsplan habe man eine „Kampagnenfähigkeit“ gespürt, man müsse aber alles bekämpfen, was irgendwie mit „Gender Mainstreaming“ zu tun habe, „weil alles zusammengehört. Wir müssen das ganze Paket bekämpfen.“ So meinte sie damals: „Man kann die Ehe für alle noch verhindern.“

Stargast Gaga-Kelle

Die "Junge Freiheit" nutzt den Kampf gegen alles, was für rechte Kreise zum Thema "Gender" gehört, zur Akquise neuer Leser
Die „Junge Freiheit“ nutzt den Kampf gegen alles, was für rechte Kreise zum Thema „Gender“ gehört, zur Akquise neuer Leser

Bei dem Kampf gegen „Gender Mainstreaming“, der sich gegen LGBT-Rechte ebenso richtet wie gegen Schulaufklärung über Homosexualität oder eine Gleichstellung von Mann und Frau, ist die rechte Zeitung „Junge Freiheit“ weit vorne dabei – sie verbindet ihn gar mit einer Abo-Kampagne, hat dazu eine „Aufklärungsbroschüre“ drucken lassen, die sicher auch bei der Buchmesse ausliegen wird. „Asyl-Krise sowie der Gender-Irrsinn“ seien die Schwerpunkte des Standes in diesem Jahr, schreibt die Zeitung auf ihrer Homepage. Zum Thema Asyl wird etwa der umstrittene Publizist Udo Ulfkotte aufgefahren.

Bevor sie am Samstag wieder bei der CDU zu Gast ist, tritt am JF-Stand der Buchmesse bereits am heutigen Donnerstag um 17 Uhr die ebenfalls rechtspopulistische Autorin Birgit Kelle auf. Sie stellt sich einem „Streitgespräch“ mit Felix Krautkrämer, dem Chef des Innen-Ressorts der Zeitung, unter dem Titel: „Gender Mainstreaming – der große Irrsinn“.

Die homophobe Autorin, die sich von der Zeitung bereits mit einem „Journalistenpreis“ auszeichnen ließ, zieht derzeit mir ihrem aktuellen Buch „Gender Gaga“ durch die Lande und durch die Talkshows – immer mit einem homophoben Sprüchlein auf der Zunge, etwa dass „Hetero“ an Schulen zum Schimpfwort werde (queer.de berichtete). Zur Veröffentlichung des Buches hatte es bereits im März ein Gespräch zwischen Krautkrämer und Kelle gegeben, das auch auf Youtube veröffentlicht wurde – dort sollen in den nächsten Tagen Mitschnitte der Buchmessen-Termine erscheinen.

Präsentation der neuesten Hetze

Pirinçcis neuestes Hetzwerk, nun geadelt durch eine Vorstellung auf der Buchmesse
Pirinçcis neuestes Hetzwerk, nun geadelt durch eine Vorstellung auf der Buchmesse

Noch einen Ton rauer und wirrer als Kelle ist der deutsch-türkische Schriftsteller Akif Pirinçci, der am Samstag am JF-Stand sein neues Buch „Die große Verschwulung“ vorstellen wird. Der ehemalige Kriminalbuchautor hatte im letzten Jahr in seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ vor einer „Überhöhung der abnormalen Sexualität“ gewarnt und schwule Männer gebeten, die Öffentlichkeit nicht zu „belästigen“.

„Gender Mainstreaming ist ein von geisteskranken und faulen Lesben, die komplett vom Staat alimentiert werden, erfundener Scheißdreck“, sagte er in einem Interview. Für Facebook-Flüche gegen den Wissenschaftler Heinz-Jürgen Voß, den er u.a. einen „geisteskranken, durchgeknallten Schwulen mit Dachschaden“ genannt hatte, war er mit einer Geldstrafe belegt worden (queer.de berichtete).

Angriffe auf die Wissenschaft finden sich auch in der Ankündigung zum neuen Buch, das in der nächsten Woche erscheint: „Bienchen und Blümchen weichen den Aufklärungsmethoden aus den Laboren Dr. Frankensteins“, heißt es darin. Und: „Der nächste Bundespräsident wird ein Travestiestar sein, der im Falsett auf Schlagerparaden die Nationalhymne singt.“ Pirinçci kämpfe gegen „die Verweichlichung der Männer, das Elend der Gleichmacherei und die Ideologen der grausamen Gender-Propaganda“.“

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24826

Kommentar GB:

Ich schätze die Artikel von Norbert Blech wirklich sehr, weil sie wunderbar selbsterklärend sind, wenn man berücksichtigt, dass die eine oder die andere wertende Äußerung seiner minoritären Heterophobie geschuldet ist. Ich schätze ihn auch sehr als Propheten für Toleranz und Akzeptanz, weil er diese Haltungen geradezu beispielhaft vorlebt, wie allein dieser Artikel zeigt. Oder sehen Sie das womöglich anders?

M. Schulze zitiert für Queer.de aus dem neuen Buch von AP (s. o.):

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24866

Im übrigen nehme ich wieder einmal gern die Gelegenheit wahr, auf das amüsante und aufklärerische Buch von Birgit Kelle hinzuweisen:

GenderGaga – Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will.

http://www.adeo-verlag.de/index.php?id=details0&sku=835045

Nehmen Sie „Gender“ bitte nicht ernst: stimmen Sie einfach ein in das Große Gelächter!

Beim Thema „Gender“ wird mal wieder flexibel mit der Wahrheit umgegangen, wegen der feministischen Parteilichkeit natürlich, siehe:

Die ZEIT macht Werbung für einen grünen Gender-Kongress

http://asemann.de/?p=1696

http://www.gwi-boell.de/de/dare-impossible-wage-das-unmoegliche