Karriere im Mittelstand

von Katrin Terpitz Quelle: Handelsblatt Online

Headhunter Achim Brühne redet Tacheles.

Der Personalberater erklärt die Vorzüge einer Karriere im Mittelstand, warum ein Einstieg als Berater sinnvoll ist und welche ungeahnten Folgen die Frauenquote mit sich bringt.   –   Auszug:

„Inwieweit sind Familienunternehmen als Arbeitgeber zu empfehlen?
Inhabergeführte Mittelständler haben den Vorteil, dass sie nicht jedem Mainstream-Firlefanz nacheifern. Sie konzentrieren sich auf die Firma und ihre Produkte und haben keine Zeit, den Kotau vor dem Zeitgeist zu vollziehen (…lacht). Alles verläuft stabiler und verlässlicher. Das lässt sich an der meist hohen Personalkontinuität ablesen. Unternehmer machen eben nicht jede Management-Mode mit. Sie führen nicht in vorauseilendem Gehorsam Dinge ein, die gerade angesagt sind, aber dem Erfolg ihres Unternehmens schaden können, wie zum Beispiel die Frauenquote.

Moment mal. Inwiefern schaden mehr Frauen einem Unternehmen?
Vor allem indirekt. Lassen Sie mich eine Bespiel aus der Praxis nennen: Ein Dax-Konzern hat vor einiger Zeit eine freiwillige Frauenquote auf Führungsebene eingeführt. Die Folge: Viele fähige männliche Mitarbeiter haben seitdem das Unternehmen verlassen, weil sie sich ihrer beruflichen Zukunft beraubt sehen. Öffentlich traut sich das natürlich keiner zu sagen! Als Headhunter bekomme ich viele Bewerbungen von frustrierten Managern, die sich durch die Frauenquote übergangen fühlen.

Aber wenn männliche Manager durch fähige Frauen ersetzt werden, schadet das dem Unternehmen doch nicht.
Das muss man differenzierter sehen! Um die Quote zu befriedigen, suchen Unternehmen händeringend nach Managerinnen. Gerne würden wir Personalberater häufiger fähige Frauen vorschlagen. Auf höheren Ebenen gibt es aber leider noch viel zu wenige Managerinnen mit der nötigen Expertise. Viele werden wegen der Quote zu früh nach oben befördert und verbrannt. Das ist weder gut für sie, noch fürs Unternehmen. Es wird noch einige Jahre dauern, bis genügend Frauen auf der mittleren Ebene angekommen sind. Mancher Mittelständler tut da übrigens mehr für aufstrebende Frauen als ein Konzern.“

http://www.wiwo.de/unternehmen/mittelstand/karriere-im-mittelstand-die-frau-muss-mit-in-die-provinz/12377956.html

Kommentar GB:

Die Begegnung mit der Realität dürfte für diejenigen, die uns alle sowieso, aber die auch sich belügen, wie eine kalte Dusche wirken.

„Daß es recht komfortabel ist, sich quotenpolitisch in Führungspositionen hieven zu lassen, das kann wirklich nicht bestritten werden. Denn mit der Quoten-Seilbahn kommt man natürlich viel leichter und schneller nach oben als zu Fuß. Und man muß sich dabei überhaupt nicht anstrengen und sich um nichts bemühen. Nur ein billiges Ticket ist nötig, das die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht bestätigt, und schon geht es aufwärts, mit schöner Aussicht überdies. Dadurch allerdings wird zugleich nichts gelernt, nichts von all dem, was die Bergsteigern bei ihrem schrittweisen Aufstieg alles lernen. Was aber lernen Sie dabei, jenseits irgendwelcher Master-Abschlüsse? Zum Beispiel lernen Sie eine Menge über ihre Kräfte und Fähigkeiten, sich im Gebirge zu bewegen, sie lernen etwas über den wechselnden Untergrund, den Boden, sie lernen Umsicht, Übersicht und Voraussicht, sie lernen, sich mit und ohne Hilfsmittel richtig zu orientieren, zugleich die Wetterrisiken einzuschätzen und Vorsorge zu treffen, und sie lernen, im Team erfolgreich zu kooperieren. Dazu braucht es präzise Kommunikation, Vertrauen und die Erfahrung, das man sich aufeinander verlassen kann, weil jeder weiß, wozu der jeweils andere willens, fähig und in der Lage ist.

Und so machen sie in der Praxis die Erfahrung, was eine Leistung ist, und was eben keine Leistung ist.

Das alles kommt den Seilbahnfahrerinnen im Gipfelrestaurant erst gar nicht in den Blick, wenn sie sich mühsam an ihre Master-Studiengänge erinnern und eine kopierte Präsentation nutzen, um den Bergsteigern zu erklären, was Geschlechtergerechtigkeit sei und weshalb sie, die Seilbahnfahrerinnen, keinesfalls auf sie verzichten können. Und das sehen die Bergsteiger dann sogar ein. Denn ohne Quotenseilbahn wären die Seilbahnfahrerinnen, denen die schrittweise Bewegung viel zu mühsam und schwierig erschien, selbstverständlich immer noch an der Talstation. Es sei denn, sie nähmen es auf sich, zu Fuß zu gehen. Solche Fälle gibt es dann und wann, aber diese Bergsteigerinnen verachten die Seilbahnfahrerinnen, auch wenn sie das meist nicht laut sagen. Und: haben sie nicht allen Grund dazu, haben sie nicht Recht damit?

Denn sie machen in der Praxis die Erfahrung, was eine Leistung ist, und was eben keine Leistung ist.“ (Günter Buchholz)

Quelle:

https://frankfurter-erklaerung.de/2015/10/frauen-in-fuehrungspositionen-2/