Opferabo = Opfernarzissmus

Peter Mühlbauer 47

„Inflation institutionalisierter Rechthaberei“

Thomas Edlinger über volkstümliche Kritik und opfernarzisstische Hyperkritik

„Der FM4-Radiomacher und Kunstkurator Thomas Edlinger wurde vor drei Jahren mit seinem bei Suhrkamp erschienenen Band In Anführungszeichen – Glanz und Elend der Political Correctness über die Sendegrenzen des ORF hinaus bekannt. Nun ist sein neues Buch erschienen: Der wunde Punkt – Vom Unbehagen an der Kritik . In ihm konstatiert er unter anderem, dass eine „opfernarzisstische Haltung“ an Diskursmacht gewinnt, die „nicht wahrhaben will, dass nicht jeder, der sich als Opfer glaubhaft darzustellen vermag, in jedem Fall Recht hat.

Diese übertriebene Kritik, bei der „der zu kritisierende Sachverhalt im Extremfall überhaupt nur im Auge des opfernarzisstischen Betrachters existiert“, ist nicht nur im Hinblick auf Diskussionen in Foren und auf Twitter interessant, sondern auch, weil sie durch eine „die Wirklichkeit verdrängende Dogmatik“ Folgen in der Realität haben kann – wie zum Beispiel im englischen Rotherham, wo Polizisten und Sozialarbeiter Kindsmissbrauchsanzeigen nicht nachgingen, weil sie Angst hatten, mit Ermittlungen gegen die pakistanischen Tatverdächtigen gegen „Diversity“-Richtlinien zu verstoßen (vgl. Neuer Straftatbestand für Sozialarbeiter und Kommunalpolitiker).“   –

„Herr Edlinger – Sie trennen in ihrer Bestandsaufnahme der Kritikformen der Gegenwart unter anderem zwischen „volkstümlicher Kritik“ und „opfernarzisstischer Hyperkritik“. In den Ausführungen zur opfernarzisstischen Hyperkritik bringen sie viel Theorie unter, in denen zur volkstümlichen Kritik eher weniger. Auf Twitter drängt sich jedoch leicht der Eindruck auf, dass gerade die Vertreter der opfernarzisstischen Hyperkritik mit dem Holzhammer arbeiten und unreflektiert Abweichler denunzieren. Operiert die opfernarzisstische Hyperkritik in der Praxis nicht viel volkstümlicher als die volkstümliche?“  (…)

Zum weiteren Interview:

http://m.heise.de/tp/artikel/46/46254/1.html