Im Weltkrieg

„Mit dem Islamischen Staat ist ein Ungeheuer herangewachsen, das seine Tentakel um die ganze Welt schlingen will. Der Westen muss nun seinen Willen demonstrieren, seine Werte zu schützen. Ohne Opfer wird dieser epochale Kampf nicht zu bestehen sein. Ein Kommentar.“

15.11.2015, von Berthold Kohler

„Wieder Paris, wieder ein Anschlag auf die ganze freie Welt. Nur zehn Monate nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ erschüttert eine noch blutigere Tat die französische Hauptstadt und die übrige Menschheit, jedenfalls den Teil von ihr, den man zivilisiert nennen kann. Der „11. September Frankreichs“ wird der konzertierte Terrorangriff mit seinen vielen Toten und Verletzten genannt. Schon in der perfiden Choreographie des Terrors, die auf eine maximale Öffentlichkeit des Schreckens abzielte, zeigen sich Parallelen. Man will sich nicht vorstellen, welche Bilder live um die Welt gegangen wären, wenn es die Terroristen geschafft hätten, in das Fußballstadion zu kommen.

Die verunsichernde Wirkung des 13. Novembers übertrifft in einem noch die Wucht der Schockwellen von damals. Die Botschaft der Anschläge auf Amerika war: Der islamistische Terrorismus hat dem Westen den Krieg erklärt – und er ist dazu fähig, ihn in die Herzen der westlichen Metropolen zu tragen. Die blutige Mitteilung von Paris lautet: Ihr könnt uns auch anderthalb Jahrzehnte danach immer noch nicht daran hindern. Eure Mühen und Opfer im „Krieg gegen den Terror“, ob auf fremder oder eigener Erde, waren vergebens.

Städte zerstören, Kulturen auslöschen

In der muslimischen Welt ist ein Ungeheuer herangewachsen, das seine Tentakel um die ganze Welt schlingen möchte. Man kann kontrovers darüber diskutieren, aus welchem Schoß es kroch, wer es gezeugt hat und wer es immer noch füttert. Doch sollte man nicht glauben, es zöge sich friedlich zurück in seine Höhle, wenn man es nur nicht mehr reizte – es also nicht mehr mit Waffengewalt daran zu hindern suchte, ganze Volksgruppen zu massakrieren, Städte zu zerstören und Kulturen auszulöschen. Das Ungeheuer hat viele Köpfe und Arme, die immerfort nachzuwachsen scheinen, wenn man sie abschlägt. Es trägt wechselnde Namen.

Doch sein Wesen bleibt gleich: Es ist ein Antagonist der Lebensart und der politischen Verfasstheit des Westens, die es hasst und vom Antlitz der Erde tilgen will. Es geht ihm nicht nur um die „Befreiung“ der muslimischen Welt vom Einfluss der „Ungläubigen“. Es will die ganze Welt nach Vorstellungen umgestalten, die für die liberalen Demokratien und ihre offenen Gesellschaften unerträglich sind. Deren Ideale sind die Ideale der französischen Revolution. Ihrethalben ist Frankreich angegriffen worden und mit ihm der ganze Westen. Der „Islamische Staat“ führt nach eigenem Verständnis einen Weltkrieg.“ (…)

Zum Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/politik/terror-in-paris/der-kampf-gegen-den-terror-kann-auch-fuer-deutschland-noch-folgen-haben-13913127.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

https://frankfurter-erklaerung.de/2015/11/terrorismus-experte-petri-man-kann-viel-mehr-tun/

http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-koran-5228/1