Kalifat und Kapital: Globalisierte Barbarei

Von Tomasz Konicz

IS agiert wie ein globaler Konzern.

Ein Versuch, das Phänomen „Islamischer Staat“ zu begreifen.

Auszug:

„Der Islamische Staat nutzt (…) die effektivsten Organisationsformen und rationellsten Methoden, die der krisengeplagte Spätkapitalismus hervorbrachte, um ein irres, ein wahnsinniges Ziel zu verfolgen: die buchstäbliche Auslöschung aller Ungläubigen. Spätestens hier wird eine Parallele zu dem bisher größten Zivilisationsbruch der Weltgesichte, dem Vernichtungswerk des deutschen Nationalsozialismus, offensichtlich. Auch die Nazis bedienten sich der damals modernsten Organisationsformen und Methoden, um mit Auschwitz eine fordistische Todesfabrik zu erschaffen, deren fließbandartig hergestelltes „Produkt“ in dem aus den Krematorien aufsteigenden Rauch verbrannter Menschenleiber bestand. So wie die Nazis im rassistischen Wahn eine effiziente negative Fabrik der Menschenvernichtung errichteten, um die Welt von Juden, Roma, slawischen Untermenschen oder Bolschewisten zu „säubern“, so konstituiert sich der IS in der Organisationsform eines negativen Konzerns, um sein irres Ziel eines religiös reinen Weltkalifats zu verfolgen. Die instrumentelle Rationalität und ökonomistische Vernunft des westlichen Kapitalismus, die zwecks effizientester Kapitalakkumulation immer weiter vervollkommnet wird, schlägt so in den Händen des IS in nackte Barbarei um.“ (Hervorhebungen: GB)

Zum – sehr empfehlenswerten – Artikel:

http://le-bohemien.net/2014/10/29/globalisierte-barbarei/

Kommentar GB:

Man liest und hört immer weniger den in stigmatisierender Absicht flink vorgebrachten Vorwurf der „Islamophobie“, wobei oftmals unklar bleibt, wer eigentlich diesen Vorwurf erhebt.

Dazu ist erstens anzumerken, dass es sich in der Regel um den Versuch handelt, Kritik am Islam zu unterbinden. Eine absolute Religion wie der Islam kennt aber keine Kritik, sondern nur Gläubige und ungläubige Feinde. In den Gesellschaften der Aufklärung andererseits ist nichts der Kritik entzogen. Es fragt sich also, wie dieser sonderbare Vorwurf hier überhaupt erhoben werden kann. Absurd wird das, wenn Parteien, die sich selbst als fortschrittlich, aufgeklärt und links begreifen, den Islamophobievorwurf  aufnehmen. Sie werden selbstwidersprüchlich, und sie merken es nicht.

Zweitens gibt es offensichtlich triftige Gründe dafür, den Islam – mit dem Koran als Kern – zu fürchten. Aber Furcht ist von Angst zu unterscheiden. Furcht ist eine in und durch die Realität begründete Emotion, Furcht steht also in einer kontrollierten Beziehung zur Realität und zur Vernunft, Angst hingegen ist ein subjektives und fluktuierendes Phänomen mit fließenden Übergängen ins Pathologische. Es fällt in der medialen Auseinandersetzung sehr auf, dass nie von Furcht, sondern immer von Angst gesprochen wird, wobei die Absicht der Stigmatisierung regelmäßig durchschimmert. Es wird eben nicht gefragt: „Gibt es Gründe, x zu fürchten, und welche sind das?“ Sondern es wird von Journalisten gern von – unausgesprochen irrealen – „Ängsten“ geschwafelt, im Grunde jedesmal eine Unverschämtheit, mit der eingeredet werden soll, die sich Fürchtenden seien lediglich verwirrt.

Denn tatsächlich handelt es sich, wie der Autor m. E. zutreffend ausführt, um eine nun islamische Variante des Klerikalfaschismus, der in Europa auf angeblich linke Parteien trifft, die ihn zu fördern bereit sind. Sie kennzeichnen sich u. a. dadurch selbst als linkspopulistische – und nicht als begründet linke – Parteien, und sie täuschen sich über ihren Irrtum hinweg, indem sie sich einbilden, sie verhielten sich „antirassistisch“, wenn sie „Islamophobie“ vorwerfen.

https://sciencefiles.files.wordpress.com/2015/02/sf_diefenbach_2015_kritik-der-rassismuskritik2.pdf

Tatsächlich verhalten sich sich insoweit jedoch profaschistisch, stehen somit weit rechts.

Es ist dies nicht das einzige politisch objektiv rechte Element in linkspopulistischen Parteien (LINKE, Grüne, SPD).

Der Feminismus ist ein zweites, vergleichbares Element:

http://le-bohemien.net/2013/02/01/contra-frauenquote/

http://le-bohemien.net/2013/09/26/politische-linke-und-feminismus/

http://le-bohemien.net/2013/06/18/was-ist-heute-links/

http://le-bohemien.net/2014/10/18/frauenquote-das-subventionierte-geschlecht/

http://le-bohemien.net/2014/11/27/gender-mainstreaming-radikaler-biologismus/

Der Feminismus, eine Übernahme aus den USA, hat sich vor allem durch die Verdrängung der politökonomischen Analyse im Kontext der „Kritik der Politischen Ökonomie“ bemerkbar gemacht, und dieses praktische Resultat dürfte aus der Perspektive des Kapitals sein eigentlicher Zweck sein. Diese Zweck ist bemerkenswerterweise erreicht worden, indem die Frauen mit einer völlig abstrusen Ideologie mobilisiert worden sind, aber die sogenannten linken Parteien haben das anscheinend bis heute nicht bemerkt.

Ein drittes Element ist – mit marginalen Ausnahmen und Randerscheinungen – insgesamt die faktische Akzeptanz und der Kritikverzicht bezüglich der im obigen Artikel näher gekennzeichneten, im Kern irrationalen globalen  Wirtschaftsordnung, auf die in kritischer Absicht lediglich rhetorisch, also bloß scheinbar Bezug genommen wird. Diese Wirtschaftsweise befindet sich in Wallersteins Perspektive allerdings bereits objektiv in einem chaotischen politökonomischen Selbsttransformationsprozeß, dessen vielfältige Widersprüche zu reflektieren wären.

Marginal findet dieser Prozeß zwar statt, immerhin, aber eben nur marginal. Und das ist viel zu wenig.

http://iwallerstein.com/