Politik der Ungleichheit

Von Schoppe

„(…) die Verantwortung, die Menschen für sich selbst tragen können, lässt sich nicht sinnvoll durch andere ersetzen. Ein Modell der Verantwortung, dass einer modernen Gesellschaft angemessener ist als das von Flesch, Dorm oder Mika, lässt sich dann in drei Sätzen so formulieren:

1. Menschen sind grundsätzlich für sich selbst verantwortlich. Auch die Verantwortung von Menschen füreinander ist eben dann sinnvoll, wenn sie auf der Verantwortung von Menschen für sich selbst aufbaut, sie aber nicht zu ersetzen versucht.

2. Menschen geraten allerdings immer wieder auch in Situationen, in der sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Vor allem aber leben Menschen nicht in als isolierte Robinsons, sondern in starken, unüberschaubaren und nicht vollständig lösbaren gegenseitigen Abhängigkeiten. Daher sind Menschen auch füreinander verantwortlich.

Da diese Verantwortung, siehe oben, noch immer in vielen Traditionen zwischen den Geschlechtern unterschiedlich aufgeteilt wird, lässt sich das auch so formulieren: Männer sind für Frauen in gleichem Maße verantwortlich, wie Frauen für Männer verantwortlich sind. Männer sind für andere Männer in gleichem Maße verantwortlich, wie sie für Frauen verantwortlich sind. Frauen sind für andere Frauen in gleichem Maße verantwortlich, wie sie für Männer verantwortlich sind.

Kurz lässt sich das so zusammenfassen: Menschen sind unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit füreinander verantwortlich – unabhängig von ihrer eigenen Geschlechtszugehörigkeit und der der anderen.

3. Allein bei Kindern ist es sinnvoll, sie aufgrund ihrer deutlich geringeren Handlungsmöglichkeiten von dieser gegenseitigen Verantwortung auszunehmen. Hier gilt dann: Erwachsene tragen eine grundsätzliche Verantwortung für Kinder und ihr Wohlergehen, die Verantwortung der Eltern ist – entsprechend der besonderen Bedeutung, die Eltern für Kinder haben – besonders herausgehoben. Dabei sind Eltern unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit prinzipiell in gleicher Weise und in gleichem Umfang für ihre Kinder verantwortlich.

Die Gleichheit der Verantwortung bedeutet keine „Gleichmacherei“ – sie bezieht sich schließlich nicht auf jeden einzigen Aspekt des Lebens, sondern auf Grund- und Menschenrechte und grundlegende Lebensbedürfnisse. Die Gleichheit von Verantwortung und die rechtliche Gleichheit schaffen so erst den Rahmen, in dem Menschen unterschiedlich sein können, ohne dabei in grundsätzliche Rechten verletzt zu werden.

Auf der Basis gleicher Verantwortung können Eltern sich also beispielsweise natürlich darauf einigen, auf unterschiedliche Weise für ihre Kinder zu sorgen. Illegitim aber ist es, diese Unterschiede prinzipiell zu fassen und gar gesetzlich festzuschreiben – also beispielweise, wie weite Bereiche des deutschen Kindschaftsrechts das tun, den Müttern die Kindessorge durch persönliche Präsenz und den Vätern die Kindessorge durch finanzielle Versorgung zuzuteilen.

Das ist nicht nur ein theoretischer Satz, sondern tägliche Erfahrung als Lehrer: Eltern können ihre eigene Verantwortung für ihre Kinder nicht sinnvoll an staatliche Institutionen übertragen. Ein Staat, der sich wesentliche Entscheidungen über die Kindessorge vorbehält und sie zwischen Männern und Frauen unterschiedlich aufteilt, geht in seiner Staatsgewalt also keineswegs vom Volke aus, legitimiert sich nicht von unten nach oben, sondern betreibt eine Politik der Ungleichheit, die in einer modernen Gesellschaft dysfunktional ist.

Solche staatlichen Übernahmen der Kindessorge können Notlösungen in extremen Situationen sein, aber als allgemeine Regelungen sind sie schädlich und nicht legitimierbar. Dass diese Regelungen also beständig stille Tragödien produzieren, hat seinen Grund nicht allein in der fehlenden Kompetenz oder Überforderung der jeweils Verantwortlichen, sondern ist ein Fehler im System: Staatliche Institutionen ziehen sich hier eine Verantwortung zu, die sie sinnvoll gar nicht tragen können.“ (…)

Zum Artikel:

http://man-tau.com/2015/11/14/jammerlappen-und-die-politik-der-ungleichheit/#more-1232

Am 07.09.2011 schrieb ich:

https://www.freitag.de/autoren/guenterbuchholz/von-der-frauenemanzipation-zur-frauenprivilegierung

Weitere Artikel zur  feministischen Politik der Ungleichheit:

http://le-bohemien.net/2013/09/26/politische-linke-und-feminismus/

http://le-bohemien.net/2014/10/18/frauenquote-das-subventionierte-geschlecht/

http://le-bohemien.net/2014/11/27/gender-mainstreaming-radikaler-biologismus/