„Wir sollten von einem asymmetrischen dreißigjährigen Krieg ausgehen!“

Ramon Schack 17.11.2015

Der ehemalige CIA-Agent Robert Baer über den gescheiterten Kampf gegen den Terror und warum Europa eine leichte Beute für den Terrorismus sein könnte

Die Bücher des ehemaligen CIA-Agenten Robert Baer sorgen in den USA regelmäßig für großes Aufsehen. Baers Werke „See No Evil“ und „Sleeping with the Devil“ lieferten die Vorlage für den 2005 fertiggestellten Film Syriana. Die Person des Film-Charakters Bob Barnes – gespielt von George Clooney – wurde Robert Baer nachempfunden.  –  Auszug:

„Die Anschläge von Paris haben weltweite Schockwellen ausgelöst. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie von den Attentaten dort hörten?

Robert Baer: Meine ersten Gedanken waren, was wird nur aus Europa?

Wie meinen Sie das?

Robert Baer: Europa steht leider im Begriff, alle Voraussetzungen zu erfüllen, um eine leichte Beute der Terroristen zu werden. Besondern natürlich die europäischen Metropolen. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die Krisenherde, die Außengrenzen der EU sind mehr oder weniger offen. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen, oder?“

Die deutsche Regierung hat neulich eingestanden, dass sie nicht weiß, wie viele Menschen kürzlich als Flüchtlinge eingereist sind. Halten Sie das für eine Gefahr?

Robert Baer: Absolut. Ohne die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge als Bedrohung darstellen zu wollen, die vor Not, Terror und Krieg flüchten, aber natürlich können potentielle Terroristen sich in diesem Strom von Menschen wie Fische im Wasser bewegen.“

Zum Interview:

http://www.heise.de/tp/artikel/46/46584/1.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/islamismus-die-salafistische-gefahr-13916158.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Kommentar GB:

Gibt es eine prinzipiellen Unterschied zwischen (ungefährlichen) Moslems im allgemeinen, als Repräsentanten des Islams, und (gefährlichen) Islamisten bzw. Salafisten? Das ist die Frage.

Wenn es einen prinzipiellen Unterschied gibt: worin besteht er?

Wenn nicht, handelt es sich dann um graduelle Übergänge und Steigerungen in ein und demselben ideologischen Kontinuum, das durch den Koran vorgegeben ist? Das wäre zu prüfen.

Wie auch immer: jedenfalls dürften (a) soziale und (b) ökonomische und (c) kulturelle Marginalisierungen einen bedeutende Einfluß auf Radikalisierungen von Individuen und Gruppen haben, wenn auch nicht so, dass es einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gäbe.

http://www.stadtmensch-chronicles.de/detailansicht.html?&tx_ttnews[tt_news]=330&cHash=26d7561adbd306bded2685c0cfd55224

Es dürfte eher so sein, dass, wenn Menschen in einem marginalisierten sozialen Feld (mit den o. g. drei Dimensionen) existieren, sie anfällig werden für Scheinlösungen, die ihrer psychischen Bedürftigkeit entgegen zu kommen scheinen, insbesondere dann, wenn gruppendynamische Prozesse und Suggestionen wirksam werden. Kulturell-religiöse Fremdheit dürfte für Muslime in Europa wohl eine Grundbefindlichkeit sein und bleiben, weil die Religion, die außerdem und zugleich eine klerikalfaschistische soziale und politische Doktrin ist, die Differenzen in den Lebensweisen stabilisiert und einer tendenziellen Assimilation in die Mehrheitsgesellschaft im Wege steht. Soziale und ökonomische Marginalisierungen (siehe link oben) kommen dann ebenso hinzu wie nicht zu unterschätzende situative Einflußfaktoren und auch entwicklungspsychologische Probleme junger Männer.