Desintegration der EU

Günter Buchholz

Die Einführung der gemeinsamen Währung, des EURO, das nachfolgende Lohndumping und die von Deutschland gegen andere durchgesetzte Austeritätspolitik, das fragwürdige Management der Finanzkrise sowie das Schengen-Abkommen ohne wirksame Außengrenzsicherung und die Migrationskrise aufgrund der Destabilisierung insbesondere des Nahen Ostens etc. lassen die Auflösungstendenzen der EU, seit zehn Jahren nun unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel, immer deutlicher hervortreten.

Die Nationalstaaten betreten wieder die Bühne – und sind, obwohl noch zögernd, bereits im Begriff, sie wieder ganz zu besetzen. Das Scheitern des EU-Projektes zeichnet sich ab, auch, weil es nicht gelungen ist, es über die europäischen Eliten hinaus in den Bevölkerungen demokratisch zu verankern. Die Arroganz der Macht der Eliten hat das bisher verhindert. Es ist nicht zu sehen, dass Deutschland unter Merkel in der Lage wäre, diesen selbst erzeugten Tendenzen, die rasch um sich greifen, noch wirksam entgegenzutreten.

Das Versagen des europäischen Zentralismus in Brüssel ist jetzt dabei, in eine zentrifugale politische Bewegung umzuschlagen. Der Nationalismus, er könnte demnächst zurückkehren, mit all dem Blut, das er an den Händen hat, so wie wir das auf dem Balkan leider bereits wieder erleben mußten. Die EU war und ist ein Wirtschafts- und ein Friedensprojekt – aber jetzt sieht es so aus, als würde es gegen die Wand gefahren werden. Die europäische Einigung ist nur im echten Miteinander – nicht nur, aber insbesondere von Deutschland und Frankreich möglich – und eben nicht als hegemoniales deutsches Konzept.

Das Urteil der Geschichte über die deutsche Politik wird ein hartes sein. –

Man lese hierzu ergänzend:

http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2015/11/ArtikelFE.pdf

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/12/08/oekonom-flassbeck-falsche-euro-politik-ebnet-den-weg-fuer-radikale-parteien/

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59267