Erdogans Kampf gegen die Kurden gibt dem IS freie Hand

Im Südosten der Türkei sind Hunderte Menschen gestorben, die Regierung verweigert kurdischen Abgeordneten sogar das Gespräch. Gleichzeitig macht der IS in der Türkei Jagd auf seine Gegner.

Zum Artikel:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-kampf-gegen-die-kurden-gibt-dem-is-freie-hand-a-1069650.html

Kommentar GB:

Wenn „der Feind meines Feindes [nämlich der Kurden] mein Freund“ ist, dann ist der „Islamische Staat (IS)“ Erdogans Freund oder zumindest sein faktischer Bündnispartner. Es gibt Anhaltspunkte, zum Beispiel die nicht gänzlich geschlossene Grenze nach Syrien, dass das so praktiziert wird. Auch die Berichte über Öllieferungen des IS an die Türkei deuten in diese Richtung. Ebenso der Umstand, dass Erdogan die Immigrationswelle über die Ägäis mindestens ermöglicht, wenn nicht sogar angestoßen hat, um nun sein Druckpotential gegenüber der EU und Deutschland voll auszuspielen, und das mit Erfolg, wie wir gesehen haben.

Zugleich ist die Türkei NATO-Mitglied und – bereits auf der militärischen Ebene – punktuell im Konflikt mit Rußland. Es ist zu vermuten, dass die USA der Türkei dabei Rückendeckung geben, weil sie sie in der Region brauchen, um – außerhalb der Ukraine

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/12/28/ukraine-politik-der-eu-ist-eine-gefahr-fuer-den-weltfrieden/

und wegen Rußlands Engagement in Syrien – über die antirussischen Wirtschaftssanktionen hinaus, nicht zuletzt durch den niedrigen Ölpreis, zusätzlichen Druck auf Putin ausüben zu können.

Über die Kurden und ihre Forderung nach einem Staat sollte m. E. auf UN-Ebene gesprochen und verhandelt werden, und zwar im Zusammenhang mit der sowieso stattfindenden Neuordnung der gesamten Region:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/12/27/kurden-in-der-tuerkei-fordern-autonomie-statut/

Ergänzend hierzu:

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2015/dezember/syrien-das-moerderische-patt

Eine solche Patt-Stuation gab es schon einmal, nämlich im Dreißigjährigen Krieg, der erst durch völlige Erschöpfung aller Kriegsparteien mit dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück beendet wurde. Es ist zu hoffen, dass eine politische Neuordnung und Befriedung in Syrien – und darüber hinaus in der ganzen Region – eher bald verwirklicht werden kann.