Genderdebatte: Der neue Feminismus als Abkehr von der Aufklärung

von Brendan O’Neill

Auszug:

„Der neue Feminismus ist eine Ideologie der herrschenden Klasse“

Und dennoch scheint hier etwas überaus neu zu sein. Der neue Feminismus ist eben nicht eine bloße Fortsetzung jener in den vergangenen Jahren rasenden Debatten. Am treffendsten lässt er sich vielmehr als eine Ideologie der herrschenden Klasse beschreiben. Er wurde zum moralischen und politischen Verbundstoff der auseinandergebrochenen, post-politischen Eliten des Westens, zu einem Mittel abgehalfterter Institutionen, um ihre moralische Selbstdarstellung zu pflegen und sich fortschreitend in weitere Bereiche des Lebens, der Sprache und des Denkens der Menschen einzumischen.

Das Faszinierendste am neuen Feminismus ist weniger die Sache an sich, sondern eher seine Auswirkung unter den westlichen herrschenden Klassen, die ihn so begeistert aufnahmen. Im Gegensatz zu vorangegangenen Feminismen steht der neue Feminismus nicht für einen Schlag gegen das politische System, sondern eher für eine Auffassung, mit welcher die Eliten ein neues politisches Narrativ zu schaffen und ihren Einfluss im öffentlichen wie auch im privaten Leben der Menschen auszuweiten hoffen.

Der neue Feminismus befasst sich auffallend intensiv mit der Bloßlegung dessen, was er wie die politischen und kulturellen Eliten als Auswuchs „männlicher Vorstellungen“ bezeichnet. Ebenso gilt sein Interesse den Grenzen aufklärerischen Denkens. Jacqueline Rose, Autorin von Women in Dark Times spricht das unverhohlen aus. „Feminismus“, so sagt sie, „sollte uns die Unvernunft in der Welt ins Bewusstsein bringen“. [13] Allzu lange habe man geglaubt, dass „die sogenannte Vernunft oder Aufklärung unserer modernen Welt“ Fortschritt und freiheitliche Menschlichkeit bringe. Dies sei eine Geschichte „des Sieges des Lichts über die Dunkelheit“, sagt sie und bezeichnet diese Vorstellung als veraltet. Was nun benötigt werde, sei eine Politik, die das „Dunkle dem Dunklen“ gegenüberstelle. Nach Rose sei das Besondere am neuen Feminismus, dass er in jenem „düsteren, schwer greifbaren Ort irgendwo zwischen [Biologie und Kultur]“ wirken könne – „einem Ort des Unvernünftigen, der durch unsere Welt verläuft“.

Zum Artikel:

http://cuncti.net/geschlechterdebatte/901-genderdebatte-der-neue-feminismus-als-abkehr-von-der-aufklaerung

Kommentar GB:

Ein m. E. glänzender Artikel zum Thema;

der Auszug oben bringt die Sache historisch und philosophisch auf den Punkt:

Feminismus ist die Abkehr von der Aufklärung und ein Kult der Unvernunft.