Massenimmigration, Moral und Kunst des Möglichen

Die Hoffnung, der Migrantenstrom in die Europäische Union werde von selbst versiegen, ist illusorisch.

 (Die Presse)

„Was droht, ist ein in Grundversorgung gehaltenes Subproletariat. Teile desselben werden wohl, enttäuscht und arbeitslos, dem Aufruf von „Rechtgläubigen“ zur sozialkulturellen Segregation folgen.“ (…)

„Die EU-Kommission beziffert die Zahl der bis 2017 in die Länder der Europäischen Union Einwandernden mit drei Millionen. Diese Länder hat der Hohe Flüchtlingskommissar der UNO, António Guterres, in einem am 30. November in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichten Interview ermahnt, von ihrer „europäischen Verantwortung“ nicht abzulassen.

Der Flüchtlingskommissar verstieg sich dabei zu dem bizarren Schluss: „Wenn im Nahen Osten die Wahrnehmung entsteht, dass Europa seine Grenzen für muslimische Flüchtlinge schließt, dann ist das die beste Propaganda für den IS. Das macht es dem IS leichter, auch innerhalb der europäischen Grenzen Terroristen zu rekrutieren.“ Wem, so mag man sich da fragen, kommt diese den Europäern angesonnene, von außereuropäischen Nationen nur symbolisch mitbetriebene Absorption des Flüchtlingsstroms aus Afrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten zupass?“  (…)

„Mittelfristig befindet sich die Europäische Union im Ausnahmezustand. Über ihn entsprechend zu entscheiden, um die Gefahr einer Destabilisierung dieses Staatenverbunds zu bannen und den Normalzustand einer „Integration vor Zuwanderung“ in ihm herzustellen, gebietet die politische Vernunft. Vor allem gegenüber den Vereinten Nationen ist klarzustellen, dass nicht weiterhin die Staaten der EU als nahezu allein zuständig für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afrika und Teilen Asiens anzusehen sind.“ (…)

„Die Hoffnung, die massenhafte Einwanderung in die EU werde von selbst versiegen, ist illusorisch. Sie fände ihre Erfüllung allein in der Angleichung des Wohlfahrtsniveaus zwischen Ziel- und Herkunftsregion: Dann würde nämlich das Wegfallen seiner komparativen Vorteile das Europa der EU unattraktiv machen. Aber wer kann wollen, dass der Samariter so arm wie Lazarus wird? Lazarus gewiss nicht.

Solches zu bedenken hat nichts mit Defätismus zu tun, auch wenn es dem angesonnenen Glauben widerspricht, nur das Beste zu erwarten. Es ist vielmehr nötig, mit Joseph Schumpeter zu erkennen, dass es Zeiten gibt, in denen Optimismus nichts anderes als eine Form der Pflichtvergessenheit ist.“

Zum – insgesamt sehr erhellenden – Artikel:

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/4888213/Massenimmigration-Moral-und-Kunst-des-Moglichen