Wie die Grünen Jungen opferten

Von Schoppe

„Ein Rückblick auf ein Ereignis des Jahres, dessen Bedeutung wohl unterschätzt worden ist: Im Frühjahr erschien der Bericht der grünen „Kommission zur Aufarbeitung der Haltung des Landesverbandes Berlin von Bündnis 90/ DIE GRÜNEN zu Pädophilie und sexualisierter Gewalt gegen Kinder“. Er machte – vielleicht gegen die Absicht der Autoren – deutlich, dass die grüne Unterstützung für sexuelle Gewalt gegen Kinder nicht einfach auf naiver Solidarität mit einer pädosexuellen Randgruppe beruhte, sondern auf politischen Kalkülen und auf einer fehlenden Empathie für Jungen.“  (…)

„Die Verknüpfung der Rechte Homosexueller mit den Ansprüchen Pädosexueller verwischte mit staunenswerter Selbstverständlichkeit wesentliche Unterschiede: dass nämlich die freiwillige Sexualität zweier Erwachsener niemandem schadet, während die Sexualität eines Erwachsenem mit einem immer abhängigen, gar nicht zustimmungsfähigen Kind diesem Kind großen Schaden zufügt. Entsprechend gehörte es auch zum pädosexuellen Kalkül, sich Kinder zu suchen, die besonders schutzlos waren.

Erst sehr spät distanzierten sich grüne Homosexuellenaktivisten allgemein von Pädosexuellen. Der Bericht teilt ausgerechnet Volker Beck dabei eine Heldenrolle zu – er sei gemeinsam mit Günther Dworek Initiator einer „Gegenbewegung“ (51) gegen die Abschaffung der Paragrafen 174 und 176 gewesen (ebenso: S. 32, 43, 44, 45). Kein Wort davon, dass eben Volker Beck noch 1988 in einem Beitrag für das Buch Der pädosexuelle Komplex eine „Entkriminalisierung der Pädosexualität“ für  „dringend erforderlich“ erklärt und vorgeschlagen hatte, die „‘Schutz‘-Altersgrenze zu überdenken und eine Strafabsehensklausel einzuführen.“ Der Begriff „Schutz“ steht schon bei Beck in Anführungszeichen.

Kein Wort auch davon, dass Beck wahrheitswidrig behauptet hatte, es habe niemals grüne Parteitagsbeschlüsse zur Legalisierung sexueller Gewalt gegen Kinder gegeben, und dass er die Öffentlichkeit über seinen Text mit der Behauptung getäuscht hatte, die angreifbaren Passagen seien auf Verfälschungen des Textes durch den Herausgeber zurückzuführen.

Beck sitzt seit 1994 für die Grünen im Bundestag, war dort bis 2013 menschenrechtspolitischer Sprecher und ist seit 2013 innen- und religionspolitischer Sprecher. Bei der Bundestagsdebatte um die Beschneidung minderjähriger Jungen sprach sich ausgerechnet er, der sich im Hinblick auf Kinderrechte so heillos diskreditiert hatte, für die Beschneidung aus – die „Gesundheit und der Schutz der körperlichen Unversehrtheit des Kindes“ mussten aus seiner Sicht zurückstehen.

Die Heldenrolle, die der Bericht Beck zuteilt, kaschiert also, wie ambivalent sein Verhalten tatsächlich war: Volker Beck ist mit diesen Ambivalenzen weniger als Held geeignet denn als Personifikation einer grünen Schuldabwehr.“  (…)

„Auch wenn die Grünen als Regierungspartei längst selbst den Betrieb von Atomkraftwerken mitgetragen haben, auch wenn sie nach einem pazifistischen Wahlkampf mit bemerkenswerter Schnelligkeit zur Unterstützung von Kriegseinsätzen umschwenkten, auch wenn sie schon lange eine Politik der sozialen Spaltung wesentlich mitverantworten: Sie sind noch immer angewiesen auf das Image, für eine irgendwie humanere, irgendwie progressivere und irgendwie menschlichere Politik zu stehen.“

(Hervorhebung: GB)

Zum Artikel:

http://man-tau.com/2015/12/08/wie-die-grunen-jungen-opferten/

Kommentar GB:

Der oben hervorgehobene Abschnitt umschreibt, was ich eine pseudolinke Politik nenne. Die Betonung liegt auf dem Wort: irgendwie.

Auch der Feminismus ist – parteiübergreifend – eine solche pseudolinke Ideologie und Politik. Selbst in der Partei der LINKEN scheint sich absurderweise die Ablösung von Karl Marx durch Judith Butler durchgesetzt zu haben. Und die dortigen kleinen Geister scheinen nicht einmal etwas zu bemerken.